58. Rhein-Main-Journalisten-Stammtisch: Steffen Ball lud Dr. Roland Kaehlbrandt zum ‚300-Sekunden-Statement‘ ein: „Deutsch wird wieder wichtig …“

3 Aug
2016
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Dr. Roland Kaehlbrandt (re.) und Steffen Ball – Foto: Gertrud E. Warnecke

Neu-Isenburg/Gravenbruch/Heusenstamm – Der alle zwei Monate stattfindende Rhein-Main-Journalisten-Stammtisch „Small Talk in der Gerüchteküche“ ist inzwischen eine Tradition: Seit Dezember 2004 veranstalten das Kempinski Hotel Frankfurt und die Kommunikationsagentur BALLCOM Digital Public Relations (Geschäftsführer: Steffen Ball) den Rhein-Main-Journalisten-Stammtisch. 

Kaehlbrandt_RR79Ein bedeutender Teil jeder Veranstaltung ist das sogenannte „300-Sekunden-Statement“. Ein prominenter Redner äußert sich in fünf Minuten zu einem aktuellen Thema rund um die Medien in der Region Frankfurt/Rhein-Main. Dieses Mal gab Dr. Roland Kaehlbrandt, Autor des Buches „Logbuch Deutsch – Wie wir sprechen, wie wir schreiben“ – und Vorsitzender des Vorstandes „Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main“sein Statement ab und freute sich über die anschließende rege Diskussion: ‚Was unsere Sprache kann, was wir daraus machen, und warum sie trotzdem eine Zukunft hat‘!

DEUTSCH gewinnt wieder an Bedeutung. Goethe-Institute im Ausland vermelden Zuwächse von bis zu 70 Prozent. Das Interesse steigt auch in Brasilien, Vietnam oder China. DEUTSCH gilt bei vielen Ausländern als ‚Sprache des wirtschaftlichen Aufstiegs‘! „Deutsch ist eine Lego-Sprache – und deshalb auch eine Wortbildungssprache. In anderen Sprachen werden Wörter für neue Dinge häufig ganz neu gebildet. Bei uns kombiniert man im Gegensatz dazu einfach zwei Wörter aus dem Bestand heraus zu einem neuen Wort, wie zum Beispiel: Russlandversteher, Mautpreller, Mietnomade, Fremdhund, Erfahrungsjurist oder Wildpinkler! Das Deutsche gehört deshalb zu den wortstärksten Sprachen der Welt mit fünf Millionen Wörtern,“ betont Dr. Roland Kaehlbrandt.

Im Deutschen ist es ganz einfach, einer Aussage durch den Satzbau einen besonderen Bedeutungsakzent zu verleihen, indem man das betreffende Wort an den Anfang stellt – wie z.B.: Ich habe ihm das Buch gegeben / Ihm habe ich das Buch gegeben / Das Buch habe ich ihm gegeben / Gegeben habe ich ihm das Buch … versuchen Sie das einmal im Französischen oder Englischen!

Das Deutsche ist eine überregional gesprochene Sprache – eine der wenigen unter den 7.105 Sprachen der Welt. Das ist für die Nützlichkeit einer Sprache sehr wichtig. 15 Millionen Menschen lernen Deutsch. In 114 Ländern ist es Unterrichtsfach. In sieben Staaten wird es als nationale oder regionale Amtssprache verwendet. Deutsch ist die am meisten gesprochene Muttersprache in der EU. Den deutschsprachigen Minderheiten in anderen Ländern gehören 7,5 Millionen Menschen an. Damit steht Deutsch weltweit auf Platz zehn.

Doch leider führt heute die Geringschätzung gegenüber der eigenen Sprache dazu, dass das Deutsche inzwischen in seinem Gebrauch eingeschränkt und immer schlechter beherrscht wird. Entscheidende gesellschaftliche Bereiche – wie Wissenschaft, Wirtschaft und europäische Politik werden aus eigener Initiative ohne äußeren Druck zunehmend ans Englische abgegeben. Auch leistet sich Deutschland eine beängstigend hohe Zahl von 7,5 Millionen Analphabeten.

Was ist zu tun? Roland Kaehlbrandt: „Unsere alte Hochsprache ist im Gegenteil ein feines Werkzeug des Ausdrucks, des Denkens und des Handelns. Auch müssen alle Lehrkräfte in den Schulen verpflichtend in das Fach ‚Deutsch als Zweitsprache‘ eingeführt werden. Anders kann eine wirkungsvolle Sprachbildung – angesichts der starken Zuwanderung – nicht geleistet werden. Wir brauchen sprachsensiblen Unterricht in allen Fächern. Es kann nicht sein, dass Deutschland 159 Goethe-Institute betreibt, andererseits aber z.B. die ‚Deutsche Welle‘ zunehmend auf Englisch umsteigt. Wir brauchen unbedingt eine Sprachexportpolitik aus einem Guss!“

Roland Kaehlbrandt: „Logbuch Deutsch – Wie wir sprechen, wie wir schreiben“, 2016, 252 Seiten, Karton, ISBN 978-3-465-04255-6, 14,80 Euro, Klostermann RoteReihe
gw

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