Deutscher Wetterdienst (DWD): Menschenleben retten und Schäden vermindern … doch: Exakte Warnungen vor Tornados sind nicht möglich!

10 Jun
2016

Offenbach – In den vergangenen Jahren haben auch in Deutschland Tornados für Schlagzeilen gesorgt. Dramatische Fälle wie im Sommer 2004 in Micheln oder im Jahr 2015 in Bützow und in der Region Augsburg schufen in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Gefahren dieser Unwetter.

Um Menschenleben zu retten und Schäden zu vermindern weist der Deutsche Wetterdienst(DWD) in seinem Warnmanagement frühzeitig auch auf Tornadorisiken hin.  „Tornados treten vor allem in der sommerlichen Gewittersaison auf. Sie sind sehr kleinräumig und haben oft nur eine Lebensdauer von wenigen Minuten. Deshalb sind grundsätzlich keine exakten Warnungen vor Tornados möglich“, so Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des nationalen Wetterdienstes.

Meteorologen versuchen, den Tornados indirekt auf die Spur zu kommen. Friedrich: „Mit unseren ganz Deutschland abdeckenden Wetterradars versuchen wir, die als Auslöser von Tornados bekannten rotierenden Gewitterwolken zu erfassen. Uns liegen alle fünf Minuten aktuelle Radarbilder für ganz Deutschland vor.“

Gewarnt wird maximal 18 Stunden im Voraus. Die Berichte können im Internetangebot des DWD unter: www.dwd.de/warnungen abgerufen werden. Um vor unmittelbar drohenden Tornados warnen zu können, reichen Radarinformationen nicht aus. Entscheidend sind direkte Beobachtungen von dünnen, rotierenden Wolkenschläuchen, die noch nicht den Erdboden erreicht haben, oder von ausgebildeten Tornados. Denn: Sind bei Gewittern solche Erscheinungen bereits aufgetreten, besteht in den folgenden 15 bis 60 Minuten höchste Tornadogefahr.- Die Warnung geht direkt an die Katastrophenschutzbehörden und die Medien.

„Wenn unsere Warnung vor Ort sofort weitergegeben wird, können gefährdete Gebiete noch rechtzeitig alarmiert und Leben gerettet werden – obwohl oft nur wenige Minuten zum Handeln bleiben,“ betont Friedrich. Angesichts der großen Bedeutung von Augenbeobachtungen für die Warnung vor Tornados arbeitet der DWD eng mit dem Verein Skywarn Deutschland e.V. zusammen. Dessen geschulte ‚Sturmjäger’ geben ihre Unwetterbeobachtungen per Handy an den DWD weiter. Auch die Polizei, Feuerwehren sowie Rettungs- und Hilfsorganisationen unterstützen als Unwettermelder den DWD. Alle Bürger können ihre Unwetterbeobachtungen unter www.dwd.de/unwettermeldung in einen Meldebogen eintragen und an den DWD senden. Sie liegen dann sofort bei den Meteorologen zur Auswertung auf dem Tisch.

Obwohl Meteorologen seit Jahrzehnten Tornados erforschen, ist immer noch nicht eindeutig geklärt, wie sie entstehen. Stärkere Tornados mit großer Zerstörungskraft sind in Deutschland selten. Die Zukunftsszenarien der Klimaforscher weisen darauf hin, dass es in Deutschland bis zum Jahr 2050 im Sommer zunehmend längere Trocken- oder Hitzeperioden geben könnte – häufig unterbrochen durch heftige Kaltlufteinbrüche mit schweren Unwettern. Friedrich: „Diese Szenarien sprechen nicht generell für eine Zunahme von Tornados in Deutschland, da lange Trockenperioden das Tornadorisiko mindern. Kommt es allerdings im Sommer zu immer heftigeren Gewittern, wächst das Risiko sehr zerstörerischer Tornados.“  –  www.dwd.de

gw

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben