Ein Gebot der Menschlichkeit: Flüchtlinge sind eine Chance für die Wirtschaft!

10 Sep
2015
Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt • Bild: Stadt Hofheim

Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt • Bild: Stadt Hofheim

Frankfurt am Main – Nach den Worten von Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main, ist die Aufnahme von Flüchtlingen ein Gebot der Menschlichkeit und zugleich aus wirtschaftlichen Gründen ratsam. „Die Flüchtlinge sind eine Chance“, betonte Prof. Dr. Müller jetzt beim ’10. Hofheimer Unternehmerabend‘:

„Es sind viele junge Leute dabei, die eine Ausbildung machen können – wir brauchen diese Leute, um dem Fachkräftemangel von morgen vorzubeugen.“ Die Menschen, die sich für Deutschland als Zufluchtsort entscheiden, sollten die Chance bekommen, sich hier eine Existenz aufzubauen.

Den Unternehmen fällt es zunehmend schwer, qualifiziertes Personal zu finden. „Der Fachkräftemangel sollte beim Thema Flüchtlinge zwar nicht im Vordergrund stehen – aber da er nun einmal existiert, können wir eine Win-Win-Situation schaffen, wenn wir auch Flüchtlinge schneller als bisher an den Arbeitsmarkt heranführen.“, so Prof. Müller. Betriebe seien einer der Orte, an dem Integration mit am besten gelingen kann. An die Unternehmen appellierte der IHK-Präsident, über die ersten Intensiv-Sprachkurse hinaus auch im Betrieb Sprachunterricht anzubieten und dort die erforderlichen fachspezifischen Begriffe zu vermitteln. Auch bei der sonstigen Betreuung seien Unternehmen stärker gefragt, etwa bei Hilfe der Wohnungssuche, bei Behördengängen und bei der sozialen Integration.

Auf politischer Ebene müssen nach Einschätzung der IHK Frankfurt die Asylverfahren beschleunigt werden, damit sowohl die Flüchtlinge als auch die Unternehmen die nötige Planungssicherheit haben. Bei Flüchtlingen, die Aussicht auf Anerkennung bzw. Bleiberecht haben, sollten schnell die beruflichen Qualifikationen bzw. ihre Aus- und Vorbildung ermittelt werden, damit klar ist, für welche Stellen sie in den Unternehmen in Frage kommen. Zudem fordert die IHK Frankfurt Neuregelungen im Aufenthaltsrecht und Bleiberechtsregelungen für Personen, die eine Ausbildung angefangen haben (3+2-Regelung). Die Investition in die Auszubildenden lohnt sich erfahrungsgemäß, wenn sie nach drei Jahren Ausbildung wenigstens zwei Jahre im Betrieb arbeiten.

Zahlreiche Unternehmen im IHK-Bezirk Frankfurt prüfen momentan, wie sie mit der Herausforderung, Flüchtlinge in die betriebliche Welt aufzunehmen, umgehen können. Die IHK Frankfurt berät mit den Leitern der regionalen Berufsschulen – die entsprechende „Flüchtlingsklassen“ betreuen – über schnelle Lösungen, wie Praktikums- und Ausbildungsplätze für Jugendliche zu gewinnen sind.

Wichtig für Flüchtlinge, die als Asylanten anerkannt werden, ist zudem die Anerkennung der im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse. Für genau diesen Zweck hat die IHK-Organisation mit der IHK-FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg eine bundesweit agierende Anerkennungsstelle eingerichtet. Die IHK Frankfurt bietet hierzu eine Einstiegsberatung zu dem Anerkennungsverfahren an.

gw

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