Zeckenalarm – Patientenbeauftragter kündigt Borreliose-Gesetz an

14 Aug
2010

Die Tierchen sitzen vor allem in der bodennahen Vegetation bis maximal anderthalb Meter Höhe auf Gräsern, Büschen oder halbhohen Bäumen. Von dort aus gelangen sie zu vorbei laufenden Tieren oder Menschen.   Foto: [M]_www.zecken.de

Die Tierchen sitzen vor allem in der bodennahen Vegetation bis maximal anderthalb Meter Höhe auf Gräsern, Büschen oder halbhohen Bäumen. Von dort aus gelangen sie zu vorbei laufenden Tieren oder Menschen. Foto: (m)_ zecken.de

Die durch Zecken übertragene Borreliose gehört nach Expertenansicht zu den am meisten unterschätzten Krankheiten. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), sprach in Berlin von „deutlichen Forschungsdefiziten“. Anlass war eine Pressekonferenz der Patientenorganisation „Borreliose und FSME Bund Deutschland“ (BFBD). Zöller sprach sich für eine bundesweite Meldepflicht und die Stärkung der Patientenrechte aus.

Die Geschäftsführerin des BFBD, Ute Fischer, kritisierte häufige Fehldiagnosen. Die Krankheit verursache vielfältige Symptome an verschiedenen Organen, unter anderem Gelenk- und Rückenschmerzen, Lähmungen, motorische Probleme und Depressionen, die auch zu Selbstmord führten. Aus Mangel an Fachleuten habe sich ein Ärztetourismus quer durch die Republik entwickelt.

„Es kann nicht sein, dass ein Patient von Arzt zu Arzt geht und die Diagnose nach zwei, drei Jahren immer noch nicht feststeht“, erklärte Zöller. Er forderte „endlich ein gemeinsames Handeln von Ärzten, Wissenschaft und Krankenkassen“. Er versprach, bis Jahresende ein Konzept dafür vorzulegen, das 2011 in einem Gesetz münden soll.

Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden in den vergangenen Jahren jeweils rund 6000 Borreliose-Erkrankungen in den neuen Bundesländern gemeldet, erklärte eine Sprecherin. Nach Schätzung der Experten leiden in Deutschland etwa 1 Millionen Menschen an Borreliose, wobei genaue Zahlen nur aus den ostdeutschen Bundesländern vorliegen, da diese bereits eine Meldepflicht für Borreliose eingeführt haben. So infizieren sich in den neuen Bundesländern und Berlin ca. 6.000 Personen jährlich. Zöller bezeichnete eine bundesweite Ausweitung für „sinnvoll“ und wolle diese beim nächsten Treffen der Gesundheitsminister anregen.

Die Erreger der Borreliose, die Borrelien-Bakterien, gelangen über Zecken in den Körper. Ein deutlicher Hinweis auf eine Infektion ist eine ringförmige Hautrötung meist rund um die Einstichstelle. Borreliose lässt sich in der Regel mit Antibiotika behandeln.

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