„Es gibt kein schöneres Vergnügen, als einen Menschen dadurch zu überraschen, dass man ihm mehr gibt, als er erwartet hat“ …

11 Jul
2015

Charles-Pierre Baudelaire - By Emile Deroy (1820-1846) [Public domain], via Wikimedia Commons

Charles-Pierre Baudelaire – By Emile Deroy (1820-1846) [Public domain], via Wikimedia Commons

… diese wunderbare Erkenntnis stammt von dem französischen Schriftsteller Charles-Pierre Baudelaire (* 9. April 1821 in Paris; † 31. August 1867 ebenda). Er gilt heute als einer der bedeutendsten französischen Lyriker und als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa.

Seine Schriftstellerei blieb wenig einträglich. Immerhin konnte er sporadisch Gedichte in Zeitschriften unterbringen. 1846 und 1847 erschienen, ebenfalls in Zeitschriften, als seine einzigen etwas längeren erzählenden Texte zwei Novellen: Die hübsche, angeblich aus der Antike stammende, raffiniert durch angebliche Textlücken zerteilte Liebesgeschichte ‚Le jeune enchanteur‘ („Der junge Verzauberer“) und die zunächst abgelehnte und dann mehr per Zufall gedruckte Künstlernovelle ‚La Fanfarlo‘, die witzig verschlüsselt und voll funkelnder Selbstironie Baudelaires Metamorphose vom dichtenden Dandy zum fast verbürgerlichten Autor und Quasi-Ehemann zu spiegeln scheint.

Nach Erreichen der Volljährigkeit 1842 verlangte er seinen Anteil am Erbe des Vaters (sehr stattliche ca. 75.000 Franc) und begann das Geld in einer luxuriösen Dandy-Existenz zu verschleudern. Tatkräftige Unterstützung dabei erhielt er von seiner neuen Geliebten, der Schauspielerin Jeanne Duval, einer Mulattin, deren exotische Schönheit er bedichtete. 1844 ließ ihn die besorgte Familie gerichtlich unter die finanzielle Vormundschaft eines Notars stellen, was ihn zutiefst kränkte und vielleicht 1845 zu einem Selbstmordversuch beitrug. Immerhin garantierte ihm der verbliebene Rest des Erbes eine kleine Rente, von der eine sparsam wirtschaftende Einzelperson durchaus hätte leben können.

Einige Dramenentwürfe, die er zwischen 1843 und 1854 skizzierte, darunter ein Stück ‚La Fin de Don Juan‘, blieben lediglich ein Projekt, ebenso die vielen Skizzen zu weiterer Prosa. Eine gewisse Anerkennung fand er lediglich mit den Berichten über Kunstausstellungen (Salons), die er ab 1845 mit zunehmender Kompetenz verfasste. Da er sich andererseits aber den Konsum von Haschisch, Opium und Alkohol angewöhnt hatte und auch Jeanne Duval aushielt, war er ständig in Geldnot, was wiederum seine Neigung zu Depressionen verstärkte.

Im März 1866, nachdem er knapp zwei Jahre, häufig krank, elend und kaum arbeitsfähig, in Brüssel verbracht hatte, erlitt er einen Schlaganfall. Im Juli wurde er in ein Pariser Pflegeheim verlegt, wo er, halbseitig gelähmt und sprechunfähig, aber betreut von seiner Mutter, noch fast ein Jahr lebte.

gw

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