„Warum können wir uns an die kleinste Einzelheit eines Erlebnisses erinnern, aber nicht daran, wie oft wir es schon ein und derselben Person erzählt haben?“ …

27 Feb
2015

Bild: Théodore Chassériau [Public domain], via Wikimedia Commons

Bild: Théodore Chassériau [Public domain], via Wikimedia Commons

… das erkannte schon François VI. de La Rochefoucauld (* 15. September 1613 in Paris; † 17. März 1680 ebenda). Er war ein zeitweise politisch aktiver französischer Adeliger und Militär, der jedoch vor allem als Literat in die Geschichte eingegangen ist. Mit seinen aphoristischen Texten gilt er als Vertreter der französischen Moralisten.

La Rochefoucauld stammte aus einer altadligen Familie, die 1622 vom Grafen- in den Herzogsstand erhoben worden war. Ehe er nach dem Tod seines Vaters 1650 den Herzogstitel erbte, trug er den Titel eines „prince (Fürst) de Marcillac“. Mit knapp 15 Jahren wurde er mit Andrée de Vivonne standesgemäß verheiratet. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.

1658 begann La Rochefoucauld mit der Abfassung kürzerer aphoristischer Betrachtungen über die Natur des Menschen allgemein und die Verhaltensweisen der Angehörigen der adligen Gesellschaft im Besonderen. Seine späten Jahre wurden von einem starken Gichtleiden sowie dem Verlust zweier Söhne im Krieg (1672) überschattet. Einen gewissen Trost verschaffte ihm in dieser Zeit eine enge Freundschaft mit der Romanautorin Madame de La Fayette.

La Rochefoucauld ist einer der bedeutendsten – jener über den Menschen und die Gesellschaft reflektierenden – Autoren des späten 16. bis 18. Jahrhunderts, die in der französischen Literaturgeschichtsschreibung unter dem Namen „Moralisten“ zusammengefasst werden und für die es in der deutschen Literaturgeschichte kein Pendant gibt.

gw

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