„Gefährliche Herzrhythmusstörungen müssen rasch behandelt werden“, so Dr. Gerhard Toepel, Chefarzt der KVB-Klinik

25 Nov
2014
Die Veranstalter des Herzseminars v.l.n.r.:  Dr. Gerhard Toepel, Sonja Wessely und Sarah Schulze (beide Deutsche Herzstiftung) Annette Graf, Dr. Kurt Schmidt  • Bild: KVB-Klinik

Die Veranstalter des Herzseminars v.l.n.r.:
Dr. Gerhard Toepel, Sonja Wessely und Sarah Schulze (beide Deutsche Herzstiftung) Annette Graf, Dr. Kurt Schmidt • Bild: KVB-Klinik

Königstein im Taunus – Im Rahmen der Herzwochen 2014 veranstalteten die ‚Deutsche Herzstiftung‘ und die ‚Klinik Königstein der KVB‘ ein Herzseminar mit dem Thema: „Aus dem Takt – Herzrhythmusstörungen und deren Therapie.“

Dr. Gerhard Toepel, Chefarzt der KVB-Klinik Königstein, begrüßte über 160 Interessierte im gut besetzten Vortragssaal mit einer Einführung in das Thema und das Programm des Abends.

Er wies darauf hin, dass es eine große Anzahl von unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen gibt. Nicht alle Arten seien gefährlich. Manche – wie zum Beispiel das Vorhofflimmern – seien an sich harmlos, könnten aber schlimme Folgen haben … wie z.B. einen Schlaganfall. Die Aufgabe der Ärzte sei es, die gefährlichen Herzrhythmusstörungen von den ungefährlichen zu unterscheiden. Die gefährlichen müssen gleich behandelt werden – die ungefährlichen könne man teilweise ignorieren oder ohne Medikamente zum Beispiel mit autogenem Training behandeln.

Dr. Toepel, Kardiologe und auch Notfallmediziner, erklärte die normale elektrische Reizbildung und -leitung im Herz und die Grundlagen der Darstellung der elektrischen Spannungen vom Herz im EKG. Er stellte EKG-Ableitungen mehrerer Herzrhythmusstörungen vor und erläuterte, was bei diesen im Herzmuskel passiert.

So stehe das Herz bei dem gefürchteten Kammerflimmern, das nicht mit dem Vorhofflimmern verwechselt werden dürfe, funktionell still. Der Herzmuskel zittert hier nur noch und könne nicht mehr pumpen. Die Herzfunktion sei somit aufgehoben. Eine Blutdruckwelle, die den fühlbaren Puls verursacht, wird dann nicht mehr aufgebaut. Das Gehirn und die anderen Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Der Patient wird bewusstlos und verstirbt, wenn nicht mit einem Elektroschock vom Defibrillator diese Situation kurzfristig beendet werden kann.

Dr. Toepel zeigte auf, wie die Diagnose einer Herzrhythmusstörung gestellt wird. Erst nach der Stellung einer Diagnose sei zu klären, ob eine und welche Therapie notwendig sei. Neben Medikamenten gegen Extraschläge oder Herzrasen kann gegen zu langsame Herzrhythmusstörungen ein Herzschrittmacher eingesetzt werden … sie seien in ihrer Technik heute viel differenzierter und besser auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst als noch bei dem ersten Herzschrittmacher-Patienten 1958 in Schweden.

Die Ursache von Herzrhythmusstörungen kann sehr vielfältig sein: Verschiedene Herzkrankheiten, wie z. B. Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, Bluthochdruck oder eine Herzmuskelentzündung können ursächlich sein. Auch Herzklappenfehler, Schilddrüsenerkrankungen, übermäßiger Alkohol- oder Kaffeegenuss und Nikotin, aber auch Freude, Angst oder Stress können Herzrhythmusstörungen auslösen.

Die Zeichen, an denen der Patient die Rhythmusstörung selbst erkennt, reichen von völlig beschwerdefrei über innere Unruhe bis zum Herzrasen mit Atemnot, Brustenge- und Angstgefühl. Auch beim Blutdruckmessen kann ein unregelmäßiger Puls bemerkt werden. Beschwerdefreiheit sei manchmal gefährlich, weil man sich eventuell in falscher Sicherheit wiege. An diesem Herzseminar-Abend gab es für die Besucher die zahlreich genutzte Möglichkeit, bei der Leitenden MTA, Annette Graf (KVB-Klinik), ein kurzes Rhythmus-EKG schreiben zu lassen, das vor Ort von den anwesenden Ärzten ausgewertet wurde.

Nach der Pause erläuterte Oberarzt Dr. Kurt Schmidt (KVB-Klinik) die Zusammenhänge von Vorhofflimmern und dem Schutz vor einem Schlaganfall durch Gerinnungshemmung. Er erklärte die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall unter verschiedenen Risikosituationen. Die Schlaganfallgefahr sei der Blutungsgefahr individuell bei jedem Patienten gegenüber zu stellen … sie sei meistens höher und dann sei eine Blutverdünnung mit einem Gerinnungshemmer angezeigt. Wichtig sei, den Gerinnungswert regelmäßig zu messen. Die neuen Gerinnungshemmer haben den Vorteil, dass sie kürzer wirken und dadurch die Überbrückung bei chirurgischen Eingriffen leichter ist.

Die Interessierten nutzten nach den Vorträgen die Gelegenheit für zahlreiche Fragen an die Referenten. Weitere Informationen unter: www.herzstiftung.de

gw

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