Dalai Lama – Geistliches Oberhaupt der Tibeter wurde 75 Jahre alt

7 Jul
2010

Dalai Lama, Tenzin Gyatso

Dalai Lama, Tenzin Gyatso

Er ist der Inbegriff der Freundlichkeit und Friedfertigkeit. Sein verschmitztes Lächeln verleiht ihm etwas Jungenhaftes und kann über sein wahres Alter hinwegtäuschen. Doch der Dalai Lama ist in die Jahre gekommen: Am Dienstag wurde das geistliche Oberhaupt der Tibeter 75 Jahre alt.

Der 14. Dalai Lama, mit bürgerlichem Namen Lhamo Thondup, wurde am 6. Juli 1935 als Sohn einer Bauernfamilie im Nordosten Tibets geboren und 1937 „entdeckt“. 1940 wurde der Junge mit dem Mönchsnamen Tenzin Gyatso als Dalai Lama inthronisiert und 1950 mit der Volljährigkeit zum Oberhaupt eines unabhängigen Tibet ausgerufen. Noch im selben Herbst marschierte die chinesische Armee ein. Im März 1959 musste der 14. Dalai Lama nach dem von den Chinesen brutal niedergeschlagenen „Volksaufstand“ in der tibetischen Hauptstadt Lhasa endgültig über die Berge ins indische Exil fliehen, wo er bis heute lebt. Die meisten Klöster und Tempel seines Landes wurden zerstört

Aus dem indischen Exil heraus und auf seinen vielen Reisen um die Welt kämpft der Dalai Lama für eine friedliche Lösung der Tibet-Frage. Nur selten schlägt der Buddhist dabei scharfe Töne an, wie nach dem gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in Tibet im Jahr 2008. Sein Ziel ist jedoch nicht die Unabhängigkeit Tibets, sondern eine begrenzte Autonomie der unter chinesischer Herrschaft stehenden Himalayaregion. Gewaltfreiheit ist das oberste Prinzip des buddhistischen Mönchs – obwohl sein eigenes Leben von Willkürherrschaft und Gewalt geprägt wurde.

China wirft dem Dalai Lama vor, unter dem Deckmantel der Religion die Abspaltung Tibets zu betreiben. Für die Führung in Peking ist der von westlichen Politikern und Medien umschwärmte Dalai Lama eine stetige Provokation. Staats- und Regierungschefs, die sich mit ihm treffen, zeigt die chinesische Regierung zumindest eine Zeit lang die kalte Schulter.

Im Februar verschärfte das Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama die diplomatischen Verstimmungen zwischen Washington und Peking. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trafen den Dalai Lama ungeachtet der scharfen Proteste aus China. Den scheidenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch verbindet mit dem Dalai Lama eine persönliche Freundschaft.

Um die Belange der Tibeter öffentlich zu vertreten, nutzt der Dalai Lama die Macht der Medien. Im Fernsehen ist der humorvolle Mönch mit der großen Brille ein gern gesehener Gast. Die US-Filmindustrie widmete ihm mit „Kundun“ und „Sieben Tage in Tibet“ zwei große Kinofilme. Für seine Bemühungen um eine friedliche Lösung der Tibet-Frage wurde der Autor dutzender Bücher 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Dass der Dalai Lama auch charmant und witzig ist, erleben meist Gäste kleinerer Veranstaltungen. So wurde er vor einiger Zeit in Neu Delhi gefragt, was er denn in seinem Leben am meisten bereue. Die Antwort vom Podium kam prompt: „Nicht geheiratet zu haben.“

Ungeklärt ist die Nachfolgefrage. China könnte sich in die Suche nach einem Nachfolger einmischen und einen Peking wohlgesonnenen Menschen auswählen, fürchten die Tibeter. 1995 hatte China bereits einen damals sechsjährigen Jungen festgenommen, den der Dalai Lama zum Panchen Lama – dem zweitwichtigsten Geistlichen in Tibet – bestimmt hatte. Peking wählte daraufhin einen eigenen Panchen Lama, der seitdem als Zeichen chinesischer Vorherrschaft in Tibet präsentiert wird. Möglich ist, dass der Dalai Lama entgegen tibetischer Tradition selbst seinen Nachfolger benennt.

Stern/HA/wk

1 Kommentar zu Dalai Lama – Geistliches Oberhaupt der Tibeter wurde 75 Jahre alt

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lennart2011

März 28th, 2011 at 10:26

das ist doch sehr gut das er so alt wurde 😀

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