Falkenstein im Taunus: Im „Reichenbachtal“ gab es früher sogar ‚Molkekuren‘

28 Feb
2013

Das Reichenbachtal • Bild: Philipp Franck

Königstein-Falkenstein im Taunus  – Das Reichenbachtal gehört ohne Zweifel zu den schönsten Tälern unserer näheren Umgebung. Viele ältere Einwohner – aber auch Wanderer aus nah und fern benutzen die Mundartform und sagen sie gehen „in die Reischebach“.

Der Reichenbach – der Name stammt wohl vom „rauschen“ – kommt aus einem Feuchtgebiet (ca. 700m) kurz unterhalb des Kleinen Feldbergs. Er hat drei kleine Quellen und fließt das Wiesental hinunter nach Königstein, wo er auch Woogbach genannt wird. In der Nähe des Schwimmbades vereinigt er sich mit dem Rombach und daraus entsteht der Liederbach, der schließlich nach 16 km bei Frankfurt-Höchst in den Main mündet.

Das Wassersystem des Reichenbachs mit der künstlichen Abzweigung „Höhenbach“ war seit dem Mittelalter vor allem für die Wasser- und Energieversorgung (Wasserkraft) Königsteins von größter Wichtigkeit. Sein Wasser trug maßgeblich dazu bei, dass im Raum Königstein über 20 unterschiedliche Mühlen betrieben werden konnten. Der ebenfalls vom Reichenbach abgezweigte Mühlbach sorgte für den Betrieb der beiden Falkensteiner Mühlen.

Zur Geschichte „der Reischebach“ gehört auch die „Schweizer Alm“. Im Zuge des aufstrebenden Kurwesens im Taunus in den 1870er/80er Jahren mit besonderen Molkekuren hatte ein Molkereibesitzer aus dem bekannten Schweizer Ort Appenzell „in der obersten Reichenbach“ eine Wiese gepachtet. Hierher ließ er jedes Jahr aus seiner Heimat an die 40-50 Ziegen bringen. Die dort produzierte Molke wurde frühmorgens noch warm in Kurorte der Umgebung z.B. nach Bad Soden gebracht und dort verabreicht.

Ein anderes Ereignis ist ebenfalls bemerkenswert: Im September 1893 musste die damals sehr bekannte Ballonfliegerin Käthchen Paulus, genannt “Miss Polly“, mit ihrem Ballon „Kolumbus“ im Reichenbachtal notlanden. Frau Paulus war während eines Festes in Wiesbaden aufgestiegen, als widrige Taunuswinde sie in unserem Tal auf den Boden zwangen. Auf ihre Hilferufe hin wurde sie von herbeigeeilten Falkensteinern aus ihrer misslichen Lage befreit und gerettet.

Etliche der Kronberger Maler, u.a. Philipp Franck und Nelson Kinsley haben uns viele wunderbare Gemälde und Zeichnungen vom Reichenbachtal hinterlassen, die auch immer wieder im Rahmen von Ausstellungen zu sehen sind.

Für die Falkensteiner Kinder und Jugendlichen war das Wiesengelände, „die Messer-Wisse“, wie wir heute noch sagen, (benannt nach einem der Besitzer des Gasthauses: Josef Messer), früher ein beliebtes Wintersport- vor allem aber Skigebiet mit Abfahrten und eigens organisiertem Skispringen. Das bereits vor dem Ersten Weltkrieg eröffnete Gasthaus am Ende des Reichenbachweges (heute: „Wirtshaus Reichenbachtal“) war jahrzehntelang ein bekanntes und bei Wanderern und Touristen aus dem Rhein-Main-Gebiet beliebtes Ausflugslokal.

Seit etlichen Jahrzehnten ist das Tal wegen seiner seltenen Flora ein hoch eingestuftes Naturschutzgebiet und sollte auch dementsprechend behandelt werden.

Der Reichenbachweg, der früher mit vielen schönen Landhäusern bestanden war, ist eine historisch hochinteressante Straße: u.a. wohnten hier und in der Feldbergstraße in den ersten Nachkriegsjahren – in einem „off-limits“-Gebiet – zeitweise die alliierten Hochkommissare. Wir erinnern uns noch an die Generäle Clay (USA) und Koenig (Frankreich) sowie an André Francois-Pocet, der als französischer Hochkommissar Anfang September 1949 vom Reichenbachweg aus zur Eröffnung des ersten deutschen Bundestages an den Rhein fuhr. Von ihm stammt auch der Satz: „Falkenstein ist wirklich ein schönes Fleckchen Erde.“

Zu einer Themenwanderung der Stadt Königstein „In die Reischebach“ sind alle sehr herzlich eingeladen, die mehr vom Reichenbachtal sehen und hören wollen: Samstag, 13. April, 14:00 Uhr, Treffpunkt Ehrenmal Falkenstein.

Hermann Groß, Historiker Falkenstein /-gw

(Dieser Bericht ist auch unter „Unser Falkenstein“ in der aktuellen „Königsteiner Woche“ + „Kronberger Bote“ erschienen.)

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