Lob dem Pessimismus – Karrierekiller positives Denken?

29 Apr
2010

Wer ausschließlich positiv denkt, kann sich Karrierechancen verbauen. Wem es jedoch gelingt, negative Emotionen richtig zu kanalisieren, erschließt sich neue berufliche Perspektiven.

Menschen mit klaren Zielen und Plänen sowie einer positiven Einstellung haben gute Chancen, ihre Karriere zu beflügeln und einen neuen Job zu finden. Personen, die bei der Suche nach Arbeit dagegen planlos und ohne Optimismus vorgehen, tun sich schwer eine neue Stelle zu finden oder den nächsten Karrieresprung zu verwirklichen.

Das fand eine im Jahr 2009 von der Universität Missouri durchgeführte Studie heraus, für die mehr als 320 Personen befragt wurden, die auf der Suche nach einer neuen Stelle sind.

Manager wollen keine Stinkstiefel

Das Ergebnis ist keineswegs überraschend, denn Personalmanager stellen lieber einen optimistisch gestimmten Mitarbeiter ein, statt eines Stinkstiefels. Ebenso wie im Leben gilt auch in Unternehmen die anthropologische Weisheit: Personen mit positiver Ausstrahlung ziehen andere Menschen mehr an als solche mit negativer Ausstrahlung.

Allerdings fragt sich Meridith Levinson von CIO.com, ob positives Denken die Karrierepläne nicht auch massiv behindern kann. Ihre These: Bei Arbeitnehmern, die in sich aktuell mit ihrer Karriere in einer Sackgasse befinden, kann zuviel positives Denken persönliche Ambitionen töten und zur Selbstzufriedenheit führen. Dadurch bleiben sie Gefangene ihrer verfahrenen Situation.

Wer sich einen schlechten Job schönredet, macht einen Fehler. Nur wer das Negative offen benennt und positive Energie daraus zieht, steigt auf der Karriereleiter nach oben.Sich selbst nichts vormachen

Häufig machen sich Menschen, die sich in einer unbefriedigenden Arbeitssituation befinden, auch selbst etwas vor. Dieses falsche positive Denken bricht sich sprachlich Bahn in zahlreichen inhaltsleeren Sinnsprüchen.

Berühmt-berüchtigte Plattitüden sind etwa: „Ein schlechter Job ist besser als gar kein Job“, „Eine Lohnkürzung ist besser als gar kein Lohn“, oder „Wenigstens bin ich krankenversichert“. Auf diese Weise rechtfertigen Arbeitnehmer ihren unbefriedigenden Status quo und arrangieren sich damit.

Das führt im Ergebnis zu gefährlicher Resignation und zum Verlust jeglicher Motivation, wenn nicht gar direkt in eine Depression. Nicht zuletzt ist es die denkbar schlechteste Einstellung, um die eigene Karriere wieder neu in Schwung zu bringen – sowohl emotional als auch finanziell.

Aus negativen Emotionen positive Energie ziehen

Meridith Levinson ist hingegen davon überzeugt, dass negative Emotionen eine ebenso machtvolle Triebfeder für einen Karriereschub sind wie positive. Man muss nur wissen, wie man negative Gefühle in positive Energie verwandeln und für sein berufliches Fortkommen nutzen kann.

Auch sei es möglich gleichzeitig negativ und positiv zu denken. Um Beispiel „Ich hasse meine Arbeit.“ und „Ich werde eine andere Arbeit finden.“ Die Autorin plädiert deshalb dafür, negatives und pessimistisches Denken nicht grundsätzlich aus dem Berufsleben zu verbannen. Die Autorin selbst beurteilt ihre Situation in jedem Fall optimistisch, denn sie schreibt: „Ich mag meine Arbeit.“

CIO.com/wk

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