150 Jahre: Robert Bosch – Unternehmer, Bürger und Stifter

23 Sep
2011

 

 

1890: Mit einem damals modernen und ungewöhnlichen Gefährt, einem Fahrrad, gelangte Robert Bosch rasch zu seinen Kunden. Bild: Bosch

 

 

Robert Boschs Leben und Werk sind untrennbar mit seinem unternehmerischen Erfolg verbunden. Der als elftes von zwölf Kindern am 23. September 1861 in Albeck bei Ulm auf der Schwäbischen Alb geborene Firmengründer war alles andere als eine „typische“ Unternehmerpersönlichkeit.

Zunächst besuchte Robert Bosch von 1869 bis 1876 die Ulmer Realschule, woran sich eine Feinmechanikerlehre anschloss. Anschließend arbeitete Bosch sieben Jahre lang bei verschiedenen Unternehmen in Deutschland, den USA (bei Edison) und Großbritannien (Siemens). Dass er in die USA wollte, lag an seiner Neugier auf das Mutterland der Demokratie. Seine Erfahrungen dort sowie in Großbritannien waren mitentscheidend für die Entwicklung der späteren Unternehmenskultur im Unternehmen Robert Bosch.

Am 15. November 1886 eröffnete Robert Bosch in Stuttgart die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. In den ersten Jahren wurden hauptsächlich elektrotechnische Geräte wie Telefonanlagen und elektrische Wasserstandsfernmelder gebaut und vertrieben. Der Kleinbetrieb lief zu Beginn mehr schlecht als recht. Im Jahr 1887 verbesserte Bosch einen nicht patentierten Magnetzünder der Maschinenfabrik Deutz entscheidend und hatte damit erste wirtschaftliche Erfolge. Der Apparat diente zur Erzeugung eines elektrischen Funkens, mit dem das Gasgemisch in einem (stationären) Verbrennungsmotor zur Explosion gebracht wurde. 1897 gelang es Bosch erstmals, einen solchen Magnetzünder mit einem Kraftfahrzeugmotor zu verbinden. Damit löste er eines der größten technischen Probleme der noch jungen Automobiltechnik. Schon vor der Jahrhundertwende dehnte Bosch sein Geschäft ins Ausland aus, zunächst 1898 nach Großbritannien und danach in weitere europäische Länder. Die Hochspannungsmagnetzündung, von seinem Mitarbeiter Gottlob Honold 1902 entwickelt, brachte den endgültigen Durchbruch für die Magnetzündung. 1906 konnte die erste Vertretung und 1910 die erste Fabrik in den USA eröffnet werden. 1913 besaß das Unternehmen Niederlassungen in Amerika, Asien, Afrika und Australien und erwirtschaftete 88 % des Umsatzes außerhalb Deutschlands. Innovationen für das Kraftfahrzeug brachte Bosch nach dem Ersten Weltkrieg in rascher Folge auf den Markt, unter anderem 1927 die Dieseleinspritzung. Unter dem Eindruck der weltweiten wirtschaftlichen Krise der 1920er Jahre initiierte Robert Bosch in seinem Unternehmen zudem einen konsequenten Modernisierungs- und Diversifizierungsprozess. In wenigen Jahren gelang es, das Unternehmen vom handwerklich produzierenden Automobilzulieferer hin zum weltweit tätigen Elektrotechnik-Konzern umzubauen.

Als begeisterter Techniker legte Robert Bosch großen Wert auf die Qualität der Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Selbstständiges, sauberes Arbeiten und die Übertragung von Verantwortung auf qualifizierte Angestellte gehörten daher zu seinen obersten Grundsätzen. „Auf der Ausbildung tüchtiger Mechaniker und Techniker beruhen die Zukunft unserer Industrie und jeder Fortschritt auf technischem Gebiet“, wurde Robert Bosch in einer Mitarbeiterzeitung von 1922 zitiert. Einer seiner Mechaniker aus der Anfangszeit formulierte es einmal so: „Jeder wurde bei seiner Einstellung von Herrn Robert Bosch persönlich auf Leistung und saubere Arbeit geprüft. Murkser und Pfuscher wurden in der Bosch-Werkstätte nicht geduldet.“ Dementsprechend spielte die Aus- und Weiterbildung seiner Beschäftigten für Robert Bosch eine große Rolle. 1913 gründete er eine eigene Lehrlingsabteilung mit Lehrwerkstatt – auch oder gerade vor dem Hintergrund, dass er während seiner eigenen Ausbildung als Feinmechaniker in Ulm nur eine unzureichende Betreuung durch seinen Lehrmeister erfahren hatte.

Im Bewusstsein der sozialen Verantwortung des Unternehmers führte er bereits 1906 als einer der ersten in Deutschland den achtstündigen Arbeitstag ein. Weitere vorbildliche soziale Leistungen für die Mitarbeiter folgten. An den Rüstungsaufträgen des Ersten Weltkriegs hatte Robert Bosch nichts verdienen wollen und spendete mehrere Millionen Mark für gemeinnützige Zwecke.

Mit seinem Verständnis von Unternehmertum, philanthropischem Handeln und mit seinem politischen Engagement setzte Robert Bosch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Akzente. Robert Bosch wollte als Bürger und Stifter seinen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. So markiert die Schenkung von einer Million Mark an die Technische Hochschule Stuttgart im Jahr 1910 den Beginn seines philanthropischen Handelns. Der Erste Weltkrieg und die damit verbundene Nachkriegsordnung ließen ihn zu einem überzeugten Anhänger und Förderer der Weimarer Republik werden. So unterstützte er die Deutsche Liga für den Völkerbund und die Gründung der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin. Dem Nationalsozialismus stand er ablehnend gegenüber und unterstützte im sogenannten „Bosch-Kreis“ Widerstandsaktivitäten. Ebenso wichtig war für ihn die Aussöhnung mit Frankreich, die zeitlebens Zentrum seines europäischen Politikengagements war.

Robert Bosch starb am 12. März 1942 und wurde auf dem Stuttgarter Waldfriedhof beigesetzt.

Quelle: Bosch Medien Service/wk

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