Ausstellung zum 90. Geburtstag von JANOSCH: „Das Leben ist ein verdammt schönes Vergnügen – trotz aller Gefahren und Herausforderungen“

22 Sep
2021

Porträt Janosch (*1931) – Bildrechte © Janosch film & medien AG, Berlin

Hamburg – Das „Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G)“ widmet dem international bekannten Illustrator, Autor und Lebenskünstler Janosch, zu seinem 90. Geburtstag eine große Ausstellung:  „Janosch. Lebenskunst“ – vom 03. Oktober 2021 bis 13. März 2022.

Seine Lebenskunst steht im Mittelpunkt, sie ist Teil der Inszenierung seiner Biografie. Janoschs Kunst, dem Leben zu begegnen, zieht sich auch in vielen Facetten durch sein Schaffen und spiegelt sich in seinen Figuren. Seine Welt ist roh und zärtlich zugleich, voll Schönheit, Wünschen und Freundschaft, aber auch voll Grausamkeit, Lüge und Gefressenwerden. Der kleine Bär, der kleine Tiger, der Mäusesheriff, Onkel Popoff, Wondrak oder Luise: Janoschs Protagonist*innen sind immer auf der Suche nach ihrem persönlichen Panama. Absichtsvoll oder unbemerkt verlassen sie Wirklichkeit und Wahrheit, erleben das Bekannte neu, lernen und lehren, das Normale als besonders und das Besondere als normal zu sehen.

Die Ausstellung zeigt rund 150 originale Zeichnungen und Grafiken aus vielen Epochen von Janoschs Schaffen – Bekanntes, das im Original betrachtet neu ist, und Unbekanntes, das durchs Betrachten vertraut wird. Janoschs Geschichten haben Großen und Kleinen, Menschen mit und ohne Herausforderungen etwas mitzuteilen. Sie geben Botschaften weiter, ohne sich aufzudrängen. Die Ausstellung nimmt diesen Faden auf und vereint mehrere Perspektiven und Zugänge, parallel in denselben Räumen zu denselben Themen auf mehreren wörtlichen und übertragenen Augenhöhen.

Janosch: Bär und Tiger – Bildrechte: © Janosch film & medien AG, Berlin

Sie gliedert sich in fünf Räume, deren Elemente sich, wie beim Blick durch ein Kaleidoskop, zu immer neuen Bildern von Janoschs Lebens­­kunst zusammenfügen – und bietet viele verschiedene Zugänge. … Unterschiedliche Ideen und Wege, den Herausforderungen des Alltags zu begegnen, werden ins Licht gerückt ‒ Freundschaft und Musik, Zuhause- und Unterwegssein, Essen und Kochen, Lügen und Fliegen. Sicher ist: In Janoschs Figurenwelt haben alle Menschen und Tiere ihre ganz eigenen Qualitäten und Besonderheiten. Es gibt keine Norm, jede Figur hat ihre liebenswerten Eigenheiten, ihre Schwächen und ihre Stärken. So wie im echten Leben.

Das Leben ist, laut Janosch, „ein verdammt schönes Vergnügen – trotz aller Gefahren und Herausforderungen“. Das unterstreicht auch seine beson­dere Sprache, scheinbar leicht dahingeworfen, gegen den Strich gebür­stet, geraunzt, gegrunzt, geflüstert … hineingewoben in die Zeichnun­gen öffnen seine Worte ganz neue, philosophische Räume. Den außerge­wöhn­­lichen Formulie­rungen, Wortschöpfungen und Namensgebungen ist daher ein ganzer Ausstel­lungs­bereich gewidmet. Hier gibt es Kurzgeschichten zum Hören, extra für diese Ausstellung ausgesucht und eingelesen von Prominenten aus Hamburg und Norddeutschland. …

Als Schwimmbad gestaltet, verweist ein Raum schließlich direkt auf Janoschs Philosophie:  „Das Leben ist so: Du wirst hineinge­worfen wie in ein kaltes Wasser, ungefragt, ob du willst oder nicht. Du kommst lebend nicht mehr heraus. Darüber kannst du a) unglücklich sein und ersaufen – b) dich lustlos und frierend so lange über Wasser halten, bis es vorbei ist – c) einen Sinn suchen und einfordern und dich grämen, weil er sich nicht zeigt – oder du kannst: d) dich darin voller Freude tummeln wie ein Fisch und sagen: ‘Ich wollte sowieso ins Wasser, kaltes Wasser ist meine Leiden­schaft. (…)’ Und das wäre die Kunst, um die es hier geht. Die Lebenskunst.“ …

Schließlich lässt ein Kinoraum Janoschs Lebenskunst auch im bewegten Bild und Ton erleben. Drei Folgen der beliebten „Traumstunde“ nehmen das Publikum mit auf Reisen. Sie begleiten den Tiger und den Bären dabei, wie sie ein Mittel gegen die Einsamkeit suchen und so, ganz nebenbei, mit ihren Freunden aus dem Wald die Post und das Telefonnetz erfinden. … Alle Geschichten erzählen davon, wie wichtig das Träumen ist, wie man trotz aller Widrigkeiten stark bleibt und: Dass Mut immer gut ist!

Die Gestaltung der Ausstellung wird verantwortet vom Hamburger Studio Silvia Knüppel. – Die gezeigten Videos in Gebärdensprache und in laut­sprachbegleitenden Gebärden sind eine Arbeit der Klassen 5a und 6a/d der Hamburger Elbschule – Bildungszentrum Hören und Kommunikation. – MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE HAMBURG – Steintorplatz, 20099 Hamburg – Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr / Do 10–21 Uhr – Eintritt: 12 € / ermäßigt 8 € / unter 18 Jahren frei – www.mkg-hamburg.de#mkghamburg

mh/-gw

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