‚Impfungen werden der Krankheit den Schrecken nehmen‘ – „Axel Springer Award“ + „Bundesverdienstkreuz“ an BioNTech

19 Mrz
2021

Berlin – Für ihren Unternehmergeist, ihre Innovationskraft und ihr gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein werden Özlem Türeci und Ugur Sahin, Vorstandsmitglieder von BioNTech, mit dem Axel Springer Award 2021 ausgezeichnet. Vor der Preisverleihung sprachen sie mit Paul Sonntag, WELT Nachrichtensender.

Paul Sonntag: … Die Gründer von BioNTech sind bei uns zum Interview. Frau Türeci und Herr Sahin, vielleicht mal vorneweg die Frage: Sie hatten ein sehr stressiges Jahr 2020. Davon gehe ich mal aus. Das Jahr 2021 sieht danach aus, als wäre es eher ein Jahr der Auszeichnungen. Jetzt kriegen Sie den „Axel Springer Award“ und dann auch noch das Bundesverdienstkreuz. Man hat immer den Eindruck, dass Sie fast zu bescheiden sind, um das Ganze anzunehmen. Trügt das oder trifft das schon die Wahrheit?

Özlem Türeci, BioNTech:  Also, ich glaube, man kann erst einmal sagen, ganz so beruhigt ist dieses Jahr 2021 nicht. Es geht natürlich weiter. Wir haben wichtige Meilensteine erreicht. Die Zulassung unserer Impfungen und das Hochskalieren. Aber es müssen ja viele Menschen versorgt werden, und in diesen Aktivitäten sind wir drin. Also es ist noch sehr aktiv. Es ist schön und wir freuen uns sehr darüber, dass wir die Arbeit dann zwischendurch mal unterbrechen können, um die Auszeichnungen – und diese beiden sind uns sehr viel wert, der Axel Springer Preis und das Bundesverdienstkreuz- um sie annehmen zu können. Das tun wir gerne auch für unser ganzes Team, das natürlich hier hinter steht und alle Partner, die mit daran gearbeitet haben, dass diese Vakzine jetzt auch zur Verfügung stehen. …

Paul Sonntag:  Es gab viel Lob dafür, dass es so schnell ging, dass man auch dieses neue Verfahren gemacht hat. Und dann kam aber eben doch auch sehr schnell die Frage, warum wird nicht mehr geliefert? Warum wurde nicht mehr bestellt? Hinter dem Ganzen stand immer die Frage, wie waren auch die Verhandlungen mit der EU? Hat man da zu sehr gezögert? Jetzt gab es dann Meldungen, dass da der Preis vielleicht eine Rolle gespielt hat, dass generell das neue Verfahren eine Rolle gespielt hat. Nehmen Sie uns vielleicht ganz kurz mal mit – aus Ihrer Sicht: Wie liefen diese Verhandlungen ab, und wo hätte die EU vielleicht noch mehr zupacken können?

Ugur Sahin: Ich fange mal an … Özlem Türeci:  Wir sind so eingespielt, dass wir immer synchron sprechen.

Ugur Sahin:  Also, ich glaube, es ist erst einmal wichtig, dass die Menschen verstehen, wie so ein Produktionsprozess funktioniert. Ich glaube, es gab eine Erwartungshaltung, dass plötzlich Impfstoff für alle verfügbar sein würde. Und das ist natürlich nicht der Fall. Für die EU sind das circa 800 Millionen Impfstoff-Dosen, die geliefert werden müssen. Das ist eine riesige Population. Und das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Und ich glaube, es war wichtig in den letzten Wochen klarzustellen, wie die Impfstoff-Produktion grundsätzlich funktioniert. Warum es so kompliziert ist, dass man jetzt nicht einfach eine neue Firma dazunehmen und direkt am nächsten Tag mehr produzieren kann. Das sind kontrollierte Prozesse. Es gibt Regularien, die man erfüllen muss.Und wir haben mit der EU in der Zwischenzeit Vereinbarungen, bis zu 600 Millionen Dosen in 2021 zu liefern. Das ist die größte Bestellung, die je für einen Covid-19-Impfstoff gemacht worden ist. …

Paul Sonntag: Aber nochmal nachgefragt: Hat der Preis bei den Verhandlungen da eine Rolle gespielt mit der EU?

Ugur Sahin: Nein, der hat keine Rolle gespielt, weil die Preisverhandlungen oder der Preis, den die EU dann am Ende auch akzeptiert hat, in der zweiten Juliwoche schon fest war. Und seitdem haben sich auch keine Änderungen im Preis ergeben. … Und wir haben ja auch Impfstoffe bereits in viele Entwicklungsländer geliefert. Es sind über 60 Staaten, in die Impfstoffe gegangen sind. Und das sind nicht nur die Industriestaaten, sondern auch Entwicklungsländer. …

Es ist im Prinzip so, dass die Impfungen, wenn sie jetzt erfolgreich weitergehen, dieser Erkrankung den Schrecken nehmen werden. Und wir werden die Sterblichkeit mit diesem Virus, auch wenn dieses Virus uns vielleicht die nächsten 10 Jahre begleitet, soweit runterdrücken, dass es nicht höher ist als die Sterblichkeit bei der Grippe. Und dementsprechend werden wir mit diesem Virus leben müssen. Wir müssen uns dann wahrscheinlich von Jahr zu Jahr, oder vielleicht alle zwei Jahre, oder alle fünf Jahre nochmal impfen, eine Auffrischimpfung geben.

Paul Sonntag: Frau Türeci und Herr Sahin, das klingt nach sehr viel Arbeit für Sie in der Zukunft. Also wahrscheinlich auch 2021 ein sehr arbeitsintensives Jahr für Sie. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin natürlich auch große Erfolge bei der Arbeit. …  –  www.welt.de

WELT Nachrichtensender/-gw

AKTUELL:  Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am heutigen Freitag, 19. März 2021, den beiden Wissenschaftlern Prof. Dr. Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender des Mainzer Unternehmens BioNTech SE und seiner Ehefrau Dr. Özlem Türeci, Vorstand Medizin bei BioNTech, das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

An der Zeremonie im Schloss Bellevue nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teil. Die beiden Forschenden sind Gründer des Biotech-Unternehmens und Impfstoffherstellers BioNTech aus Mainz. Mit der Verleihung wurden sie für ihre Verdienste bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen COVID-19 ausgezeichnet. Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gratulierte dem Ehepaar Türeci/Sahin zur Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz.

ots/-gw

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben