Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte: ‚Kinder dürften nicht zu Verlierern der Pandemie werden‘ – Doch sie sind auf Hilfe des Staates angewiesen! !

12 Jan
2021

Bild: Deutscher Kinderverein e.V.

Essen – Wo bleiben die Rechte der Kinder im Lockdown? – Haben Politik und Verbände so wenig dazu- gelernt? – Kinder und Jugendliche sollen mit der Fortsetzung und Verschärfung des Lockdowns bis zu den Abschlussjahrgängen erneut zuhause bleiben – erneut werden sie mit ihren Eltern alleingelassen!

Und erneut geraten jene Kinder aus dem Blick, denen es in ihren Familien schlecht geht – für die der Gang zur Kita der einzige Lichtblick am Tag, vielleicht auch der einzige Schutz ist. – Wieder meinen Politik und Kinder-Verbände, es solle den Eltern selbst überlassen bleiben zu entscheiden, welche Kinder die Kita besuchen und welche die Schule … Was ist mit den gefährdeten Kindern, um die sich die Fachkräfte in Kindergärten oder Schulen sorgen? Was ist mit den vom Jugendamt bereits im Kontext von Kindeswohlgefährdungen betreuten Familien, in denen Kinder und Jugendliche auf den täglichen Besuch der Schule und Kita sowie ambulante Hilfen dringend angewiesen sind?

Die Abschottung von Kindergarten und Schule trifft besonders jene Kinder, deren Mütter und Väter schon zuvor aufgrund von Suchtmittelmissbrauch oder anderen schweren psychiatrisch relevanten Störungen kaum in der Lage waren, den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden. Diesen Eltern kann und darf man nicht die Entscheidung überlassen, ob das Kind weiterhin Kontakt zu ihm vertrauten Menschen im Kindergarten oder der Schule hat, die notfalls auch für Hilfe und Schutz sorgen, so Rainer Rettinger, Geschäftsführer des Deutschen Kindervereins e.V.:

„Wer gefährdete Kinder für viele Wochen von der Außenwelt abschneidet, braucht Konzepte im Umgang mit Familien, in denen Eltern in Suchtmittel oder PC-Spiele abdriften oder in denen sogar die Beziehung von Eltern und Kind eine Beziehung von Tätern und Opfern geworden ist.“ – Was in gelingenden Eltern-Kind-Beziehungen manchmal sogar als Chance für wertvolle Familienzeit empfunden wird, birgt hier vermutlich ein hohes Risiko für gefährdete Kinder, gerade wenn man an die steigende Zahl der Hilferufe gewaltbetroffener Personen im letzten Lockdown denkt oder an den stark vermehrten Anstieg des Konsums mit vergewaltigten Kindern im Netz. …

Gibt es eine Kommunikation zwischen Lehrern und Jugendämtern? – Wird im digitalen Unterricht nach dem Befinden der Kinder gefragt? – Werden in den Medien und auf den Lernplattformen Hilfsangebote für Kinder sichtbar gemacht? – Werden Familien mit Problemen durch aufsuchende Jugendarbeit unterstützt? – Wann werden endlich die Jugendämter besser finanziell ausgestattet und personell aufgestockt? – Welche Möglichkeiten haben Kinder, online oder telefonisch, selbst Hilfe einzufordern?

Noch immer gibt es keine flächendeckenden Konzepte, damit Kinder ermutigt werden, sich in Not vertraulich und auch ganz ohne Kenntnis ihrer Eltern an dafür fachliche ausgebildete Vertrauenspersonen in ihrem Kindergarten, ihrer Schule zu wenden. … Und wo bleiben die Kinder in der Pandemie? – Zwar hatte die Bundeskanzlerin gefordert, Kinder dürften nicht zu Verlierern der Pandemie werden, der Deutsche Kinderverein sieht sie jedoch bereits als Verlierer – und das weltweit. „Dass in Pandemiezeiten Grundrechte eingeschränkt werden müssen, um Leben zu retten, ist verständlich. Jetzt sind jedoch Debatten und Konzepte überfällig, um bleibende Schäden von den Schwächsten abzuwenden, die auf die Hilfe des Staates angewiesen sind“, betont Rainer Rettinger.

www.deutscher-kinderverein.de

ots/-gw

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