„Eine verwundete Welt sehnt sich nach Heilung!“ – Wo liegen die Kraftquellen?

11 Nov
2020

Hannover – Mit den eindringlichen Worten „Wir sind eine verwundete Gesellschaft“ hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm , zum Auftakt der 7. Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie beschrieben.

In der erstmals rein digital stattfindenden Sitzung des Kirchenparlaments wies er auf die seelischen Folgen der Pandemie hin: „Zwar haben wir in den ersten Monaten der Pandemie dem Virus gemeinsam und entschlossen getrotzt und auch eine harte Lockdown-Zeit vergleichsweise gut überstanden, doch macht sich – das nehme ich wahr – jetzt zunehmende Erschöpfung breit.“ Entsprechend groß sei das Bedürfnis nach Heilung: „Eine verwundete Gesellschaft sehnt sich nach Heilung. Aber woher kommt Heilung in einer Situation, die von der schmerzlichen Erfahrung geprägt ist, dass wir eben nicht alles beeinflussen können, dass wir nicht über alles die Kontrolle haben? Wo liegen die Kraftquellen, um angesichts der schwierigen Situation ausreichend widerstandsfähig zu sein?“

Der christliche Glaube sei dafür gerade jetzt von unschätzbarer Bedeutung: „Wir sind gefragt, unseren Glauben gerade jetzt mit unserem Leben zu bezeugen. Denn unser Land braucht beides: Zum einen die Resilienz, um mit Dingen umzugehen, die nur bedingt zu ändern sind, sowie die Geduld, das auch über längere Zeit durchzuhalten. Und zum anderen die soziale Energie, die solche Widerstandskraft nicht auf den Raum des persönlichen Durchhaltens beschränkt, sondern daraus die Kraft gewinnt, einander beizustehen und Solidarität zu üben, besonders mit den Schwachen und Verletzlichen“, so Bedford-Strohm.

„Die Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung ist genau das Wort, was eine verwundete Gesellschaft heute braucht, um Heilung zu erfahren, Zuversicht zu behalten und gemeinsam zu handeln.“ Dabei werde es darauf ankommen, die Lernerfahrungen aus der Krise zu einer Neuorientierung zu nutzen. „Neben allem Kummer gibt uns die Pandemie auch die Chance, innezuhalten und neue Wege zu beschreiten. Unsere gemeinsame Welt braucht diese Umkehr, wir wollen und wir dürfen nicht einfach zurück zum Zustand vor Corona.“

Der Ratsvorsitzende ging aber auch auf die Ohnmacht ein, die insbesondere zu Beginn der Pandemie besonders belastend war: „Auch als Kirche müssen wir diese Ohnmacht aushalten. Und uns immer wieder die Frage stellen, wo wir anderen etwas schuldig geblieben sind“ …  –  Der gesamte mündliche Bericht des Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, ist abrufbar unter:  http://www.ekd.de/ratsbericht-muendlich-synode-2020-60400.htm  –  Die digitale Tagung der EKD-Synode kann im Livestream mitverfolgt werden unter:  www.ekd.de/stream

ots/-gw

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