Carolin Kebekus über Rassismus, Sexismus in der Comedy-Branche: „Bei mir traut sich das keiner mehr“

5 Jul
2020

Carolin Kebekus • Bild: 9EkieraM1, Carolin Kebekus, CC BY-SA 3.0

Hamburg – Deutschlands derzeit erfolgreichste Komikerin Carolin Kebekus ist seit rund 20 Jahren im Geschäft.

Im Titelinterview mit DB MOBIL (Ausgabe Juli & August, EVT 03.07.2020) berichtet sie von ihren Erlebnissen rund um die großen Themen der vergangenen Monate: Rassismus, Sexismus und widrige Produktionsbedingungen in Zeiten von Corona.

Noch bis zum 09. Juli 2020 läuft die erste Staffel ihrer neuen Fernsehsendung „Die Carolin Kebekus Show“. Schlagzeilen machte Kebekus kürzlich, als sie für einen „Rassismus-Brennpunkt“ die Anfangsminuten ihrer Sendezeit nicht-weißen Menschen zur Verfügung stellte, damit diese von ihren Erfahrungen von Hass und Ausgrenzung in Deutschland berichten konnten.

„Viele Leute sind bei jeder Initiative wieder wahnsinnig erstaunt. Wenn jemand von rassistischen Erfahrungen erzählt, hört man als Reaktion oft: ‚Oh, krass, das habe ich noch nie erlebt.‘ Ich denke dann: ,Nee, hast du natürlich nicht, weil du weiß bist.‘ Ich glaube, deshalb muss man Rassismus und Sexismus in regelmäßigen Abständen präsent machen, damit der Druck der Gesellschaft groß genug wird und keiner mehr sagen kann, er hätte noch nie davon gehört“, sagt Carolin Kebekus im Gespräch mit dem Magazin der Deutschen Bahn.

Heute erlebe sie selbst weniger Sexismus, sagt die Komikerin: „Mir persönlich passiert das natürlich viel seltener als etwa einer Sekretärin, die im Autohaus arbeitet. Ich glaube, bei mir traut sich das keiner mehr.“ 

Anfangs sei das anders gewesen, genauso wie das Frauenbild im Comedy-Business: „Früher war die Frau immer die lustige Putzfrau oder die Stichwortgeberin. Ich habe anfangs auch gedacht, der Mann macht den Witz – und die Frau stellt nur die Fragen, die zu dem Witz führen. Wenn ich anfangs Produzenten gefragt habe, ob ich in einer Show auftreten kann, war es für mich normal, wenn ich die Antwort bekam: ,Schade, aber wir haben schon eine Frau.‘ Ich habe dann nur gedacht: ,Ach ja, stimmt.'“

Ihre neue Show ging mitten in der Corona-Krise auf Sendung. „Wir hatten ein Bühnenbild vorbereitet, das einen Showauftritt und einen Platz für meine Band vorsah, mit dem Publikum direkt vor der Bühne. Ich mag es, wenn die Leute nah sind. Das ging alles nicht mehr. Es gab auch lange ein Verbot für Dreharbeiten. Das war anfangs ein krasser Blindflug.“

Kebekus kann momentan nicht auf Tour gehen. Diese Zwangspause habe sie aber als erholsam empfunden: „Ich war entschleunigt. Ich kam aus einem Arbeitsrhythmus, der nicht gesund war. Ich habe noch nie so lange am Stück in meinem eigenen Bett geschlafen und einen geregelten Tag mit Frühstück, Mittagessen, Abendessen gehabt. Das war total schön.“ Sie traue sich gar nicht, das laut zu sagen: „Ich weiß natürlich, wie existenzgefährdend diese Zeit für sehr viele Menschen ist, vor allem in meiner Branche. Ich habe ja das absolute Privileg, dass mich das finanziell nicht in eine Notsituation bringt wie viele meiner Kollegen.“

Das Heft liegt derzeit nicht wie gewohnt im Zug aus. Dafür gibt es die DB MOBIL nun erstmals als E-Journal (PDF) unter:  dbmobil.de/hefte

ots/gw

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