„Meisterzeichnungen aus der Sammlung des Stifters“ im ‚Städel Museum‘ … Kunstschätze, die schon Goethe begeisterten!

29 Mai
2020

Raffael „Karyatide“, ca. 1520, Kreide auf Büttenpapier; Städel Museum – Foto: Städel Museum / U. Edelmann

Frankfurt am Main – Der Frankfurter Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel (1728–1816) hinterließ dem Städel Museum eine große Kunstsammlung, die neben Gemälden und Druckgrafiken auch einen Schatz von über 4.600 Zeichnungen umfasste.

Der ledige Mäzen war einer der wohlhabendsten Bürger und einer der bedeutendsten Kunstsammler der Stadt. Von der hohen Qualität der Zeichensammlung war auch Johann Wolfgang von Goethe tief beeindruckt und lobte „Städels lebenslänglich mit Einsicht und Beharrlichkeit gesammelte Kunstschätze“. Handzeichnungen – also mit Feder, Stift oder Pinsel auf Papier geschaffene Arbeiten – galten im 18. Jahrhundert als einzigartige Zeugnisse künstlerischer Schaffenskraft.

Mit dem Vermächtnis seiner privaten Kunstsammlung begründete der angesehene Bankier ein öffentliches, für alle zugängliches Kunstmuseum von internationalem Rang:  Das Städel Museum. Lange Zeit konnte nicht nachvollzogen werden, welche Zeichnungen des heutigen Museumsbestands ursprünglich aus Städels Sammlung stammen. Zur damaligen Zeit wurde nämlich kein vollständiges Verzeichnis angelegt und eine Vielzahl von Zeichnungen wurde im Zuge einer Neuordnung der Sammlung in den 1860er-Jahren aussortiert und verkauft. Nun ist es dem Städel nach mehrjähriger Forschungsarbeit gelungen, die Zeichnungssammlung des Stifters erstmals weitgehend zu rekonstruieren und rund 3.000 Werke zu identifizieren, die bis heute im Museum erhalten sind.

Für die Ausstellung wurde hieraus eine Auswahl von 95 hochkarätigen Blättern getroffen, „die einen exemplarischen Eindruck vom Zuschnitt und der Konzeption und nicht zuletzt auch der künstlerischen Bedeutung der einstigen Zeichnungssammlung vermitteln“, so Kurator Dr. Joachim Jacoby. Zu bewundern sind u.a. Meisterwerke von Raffael, Correggio und Primaticcio, Watteau, Boucher und Fragonard, Dürer, Roos und Reinhart sowie Goltzius, Rembrandt und De Wit. Ein Teil dieser Zeichnungen ist in der Forschung bereits bekannt, andere werden zum ersten Mal veröffentlicht.

Die Titelseite des opulenten Katalogs (© 2018 Städel Museum) zeigt einen Ausschnitt der herrlichen Studien einer rechten Hand des niederländischen Malers und Kupferstechers Hendrick Goltzius – Foto: Bernd Heier

Städels Sammlung war dem Vorbild französischer Sammlungen des 18. Jahrhunderts entsprechend nach „europäischen Schulen“ gegliedert. Diese Anordnung hat der Kurator mit der überzeugenden Hängung der Schau übernommen. Im Zentrum stehen italienische Zeichnungen, daneben Arbeiten deutscher und französischer Meister. Flämische und niederländische Zeichnungen, die größte Gruppe innerhalb der Sammlung, finden sich im hinteren Bereich. Die chronologische Spannbreite reicht von der Renaissance um 1500 bis in die eigenen Lebensjahre Städels, die jüngsten Werke entstanden um 1800. Tief beeindruckend sind die stilistische Vielfalt und die Bandbreite der Zeichentechniken.

„Städels Erbe. Meisterzeichnungen aus der Sammlung des Stifters“ zu sehen bis 16. August 2020 in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung des Städel Museums; die hervorragende Präsentation wird gefördert von: Stiftung Gabriele Busch-Hauck, Wolfgang Ratjen Stiftung, Tavolozza Foundation, Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung – weitere Informationen unter:  www.staedelmuseum.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-accountcwa id=’mad03′]

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben