„Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ – wie Forscher Licht in das dunkle Universum der Ozeane bringen

27 Mai
2020

Cover des druckfrischen Buches • Bild: Senckenberg

Frankfurt am Main – Die Tiefsee – das größte Ökosystem unseres Planeten – ist weniger bekannt als die Rückseite des Monds und tiefer, als das Sonnenlicht vordringen kann.

Über 60 Prozent der Erdoberfläche liegen mehr als 1.000 Meter tief unter dem Meeresspiegel. Diesen Lebensraum zu erkunden stellt höchste Ansprüche an die Wissenschaft, die sich weltweit vernetzt hat, um mit zahlreichen Forschungsprogrammen die Geheimnisse der dunklen und kaltenTiefsee aufzuspüren.

Die systematische Erforschung der Tiefsee begann im 19. Jahrhundert und ist mit 150 Jahren ein vergleichsweise junges Wissenschaftsgebiet. Forschungsschiffe und robuste Hightech-Gerätschaften, die der Raumfahrttechnik in nichts nachstehen, sind notwendig, um die Tiefsee mit ihrer gewaltigen Ausdehnung naturwissenschaftlich zu erforschen. Dies ist umso wichtiger, weil der Einfluss auf unsere Erde immens ist – auch auf das Leben an Land.

Die Tiefsee beeinflusst das Klima, sie ist Ursprungsort von Naturgefahren wie Erdbeben, Tsunamis oder Vulkanismus und sie liefert Rohstoffe und Nahrung“, schreibt Prof. Peter Herzig, Direktor des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, im Grußwort des vor wenigen Tagen erschienenen Buchs „Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“.

Geologische Prozesse formen den Meeresboden und lassen Hydrothermalquellen und kalte Sickerstellen entstehen. An diesen Orten bilden sich spezialisierte Lebensgemeinschaften, die zum Teil extrem artenreich sind. Den Forschern begegnen hier Organismen aus der ewigen Finsternis, wie Krebse, Fische, Würmer, Kalmare und mikroskopisch kleine Lebewesen. Darüber berichten die Autoren ebenso wie über die Zusammenhänge zwischen dem, was in den lichtdurchfluteten Bereichen der Ozeane passiert, und den riesigen Schlickebenen und Lebensräumen auf dem Meeresgrund. Anschaulich beleuchtet das Buch auch den Einfluss des Menschen auf die Tiefsee aus verschiedenen Perspektiven: Als Nahrungsquelle, als Rohstofflagerstätte, als Boden für unsere Internetkommunikation, als Klimafaktor und schutzwürdiges Gebiet, auf dem sich – wegen unseres rücksichtslosen Handelns – immer mehr Abfälle wiederfinden.

JAGO“ ist derzeit Deutschlands einziges bemanntes Forschungstauchboot, mit dem Wissenschaftler Lebensräume bis zu 400 Metern Wassertiefe erkunden können • Foto: U. Kunz

Das ebenso spannende wie informative Buch ist ein Begleitband zu den neuen Ausstellungsräumen „Tiefsee“ und „Meeresforschung“, die in Kürze im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet werden. Neben den Herausgebern, Dr. Thorolf Müller und Dr. Gerd Hoffmann-Wieck, beleuchten in dem brillant bebilderten Buch 30 Tiefseeforscher*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums den größten Lebensraum des Planeten und bieten anschaulich tiefe Einblicke in die geologische und biologische Erforschung des dunkeln Universums. Darüber hinaus informieren sie über die Forschungsgeschichte und den aktuellen Stand der Tiefseeforschung.

Das Buch „Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“, 204 Seiten, broschiert, 177 farbige Abbildungen, ist ab sofort im Museumsshop des Senckenberg Museums, im Buchhandel oder online erhältlich – Preis: 17,90 Euro; ISBN 978-3-510-61415-8 … Weitere Informationen zu den neuen Ausstellungsräumen „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ unter:  https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellung/vorschau/tiefsee/

Bernd Heier

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