„EN PASSANT. Impressionismus in Skulptur“ im ‚Städel Museum‘ – Plastiken in reizvollem Dialog mit Gemälden

14 Mai
2020

Neben Tänzerinnen und Badende bilden Pferde einen weiteren Werkkomplex in Degas plastischem Schaffen • Foto: Bernd Heier

Frankfurt am Main – Wenn von Impressionismus die Rede ist, denken wir meistens an großartige Malerei. Denn „der Impressionismus wird heute wie damals überwiegend als zweidimensionale Kunst wahrgenommen“, so Eva Mongi-Vollmer und Alexander Eiling, die Kuratoren der Städel-Ausstellung „EN PASSANT. Impressionismus in Skulptur“.

Doch das dürfte sich nach einem Besuch der großartig inszenierten Schau ändern. – Die impressionistische Malerei begeistert auch anderthalb Jahrhunderte nach Entstehung vor allem mit ihrem lockeren, skizzenhaft anmutenden Duktus, der hellen Farbpalette und den alltäglichen Motiven. Bis heute weniger erforscht – und einem breiten Publikum unbekannt – ist hingegen die Vielfalt des Impressionismus in der Skulptur.

Edgar Degas „Kleine 14-jährige Tänzerin“, von 1878/81, Höhe: 98 cm; Materialmix aus Bronze, Ballett-Tutu und Haarschleife aus Stoff; Europäische Privatsammlung; © Städel Museum • Foto: Horst Ziegenfusz

„Es mag verwundern, doch es gibt tatsächlich noch ‚blinde Flecken‘ in der international breit angelegten Forschung zur Kunst des Impressionismus“, so Städel-Direktor Philipp Demandt.

Das „Städel Museum“ spürt in der beeindruckenden Präsentation erstmals der Frage nach, wie sich Eigenschaften der impressionistischen Malerei wie Licht, Farbe, Bewegung – sogar Flüchtigkeit – in der Bildhauerei manifestiert haben. Das gelang den Künstlern u.a. dadurch, dass sie auf Materialien jenseits des akademisch-klassischen Marmors zurückgriffen und beispielsweise Wachs nicht nur für Entwürfe verwendeten, sondern auch für ausgearbeitete Skulpturen. „Anstatt die Oberflächen glatt und geschlossen anzulegen, arbeiteten sie lebhafte Strukturen heraus, in denen sich das Licht brechen konnte. Auch durch die Sichtbarkeit von Arbeitsspuren näherten sich ihre Skulpturen der Wirkung impressionistischer Gemälde an“, erläutern die Kuratoren.

Die große Schau versammelt herausragende Skulpturen von Edgar Degas, Auguste Rodin, Medardo Rosso, Paolo Troubetzkoy und Rembrandt Bugatti. Mit ihren Werken stehen sie stellvertretend für unterschiedliche Spielarten der impressionistischen Skulptur. Ihre Plastiken stehen in einem reizvollen Dialog mit Gemälden, Pastellen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien u.a. von Pierre Bonnard, Antoine Bourdelle, Mary Cassatt, Camille Claudel, Henri Matisse, Claude Monet, Auguste Renoir, Giovanni Segantini und John Singer Sargent.

Die über 160 Werke bieten einen umfassenden Einblick in die Möglichkeiten und Herausforderungen des Impressionismus in der Skulptur. Mit der Präsentation der berühmten „Kleinen 14-jährigen Tänzerin“ (1878/81) von Edgar Degas nahm damals die Diskussion über die impressionistische Plastik ihren Anfang. Neben bedeutenden internationalen Leihgaben sind in der faszinierenden Schau auch Arbeiten aus dem reichen Sammlungsbestand des ‚Städel‘ zu sehen.

„EN PASSANT. Impressionismus in Skulptur“ wird durch die DZ BANK AG, die Art Mentor FoundationLucerne und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain gefördert. Zusätzliche Unterstützung erfährt die Präsentation durch die Stadt Frankfurt und die Städel-Freunde. – Die Ausstellung ist bis zum 25. Oktober 2020 zu bewundern – unter Beachtung der bestehenden Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen. – Weitere Informationen unter:  www.städelmuseum.de

Bernd Heier

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