Corona-Pandemie: Was tun, wenn „die Decke auf den Kopf fällt“ – Isolierung kann auch CHANCE sein!

16 Apr
2020

Lisa Esser, Psychologin (M.Sc.) bei der AOK Sachsen-Anhalt. (Bildnachweis: privat)

Magdeburg – Was kann man tun, wenn Aggressionen oder Ängste aufkommen? Wie lassen sich Vereinsamung oder Familienkonflikte möglichst vermeiden?

Lisa Esser, Psychologin bei der AOK Sachsen-Anhalt, erläutert, wie sich die Tage in den eigenen vier Wänden positiv gestalten lassen und worin auch Chancen liegen.

„Weil Ablenkungen, Strukturen und persönliche Kontakte wegfallen, sind Kontaktsperre oder Quarantäne sicherlich für die meisten Menschen ein Härtetest – mit Gefahren für das psychische Wohlergehen und den familiären Frieden“, sagt Psychologin Lisa Esser. Doch die AOK-Expertin betont zugleich: „Die Isolierung in den eigenen vier Wänden kann als Gefängnis erlebt werden oder aber auch als Chance. Als Chance, weil ich mehr Zeit habe für mich, für die Beziehung oder für die Familie.“

In den eigenen vier Wänden kann einem schnell die Decke auf den Kopf fallen. Einsamkeit oder Langeweile machen sich breit, Familienmitglieder gehen sich auf die Nerven. „Hinzu kommen die Ängste vor dem Virus, Angst um Angehörige oder auch Sorgen um die wirtschaftliche Existenz“, hebt die AOK-Psychologin hervor.

Ein deutsch-chinesisches Projekt im Auftrag des ‚Bundesministeriums für Bildung und Forschung‘ fand heraus, dass der Hausarrest zum Beispiel Angstzustände, depressive Symptome oder Schlafprobleme hervorrufen kann. Ausgewertet wurden dabei über 2.000 Anrufe bei einer chinesischen Hotline.

Was also tun gegen den „Budenkoller“? „Wichtig ist ein strukturierter Tagesablauf mit festen Aufsteh- und Schlafenszeiten, Arbeitszeiten, Pausen und Mahlzeiten“, so Esser: „Denn feste Tagesstrukturen helfen, Ausnahmesituationen zu überstehen.“ Jeden Tag lange schlafen, im Pyjama frühstücken und Filme gucken bis spät in die Nacht, das tue hingegen gar nicht gut.

In der Familie sollten Zeiten, in denen jeder – einschließlich der Kinder – für sich beschäftigt ist, eingeplant werden … in denen man gemeinsam isst oder spielt oder anderes zusammen macht. Hilfreich sind dabei auch feste Arbeitsplätze, an denen Vater, Mutter oder Kind in Ruhe gelassen werden, um zu lesen, zu arbeiten, Hausaufgaben zu machen … und natürlich darf die regelmäßige körperliche Aktivität nicht fehlen, das geht auch vor offenen Fenster. …

Was wollte ich schon immer mal machen?„Entwerfen Sie einen Plan, was Sie sowieso erledigen müssen, wie Frühjahrsputz, aufräumen, Papiere sortieren“, rät  die Expertin – oder zum Beispiel: Malen, lesen, Musik hören, meditieren, neue Rezepte ausprobieren, Bücher aussortieren, Spiele spielen, sich gegenseitig vorlesen, sich massieren oder einfach nur: Miteinander ins Gespräch kommen.

Der Vereinsamung trotzen: Besonders schwierig wird es für alleinlebende Menschen: „Für sie kann neben einem detaillierten Tages- und Wochenplan der schriftliche, telefonische oder digitale Kontakt zu anderen Menschen besonders wichtig sein“, so die Psychologin. … Nicht zuletzt gibt es zahlreiche Hilfsangebote bei psychischen oder familiären Problemen. Die Telefonseelsorge ist unter der 0800 1110111 oder 0800 1110222 erreichbar. Das deutschlandweite Info-Telefon ‚Depression‘ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist unter der 0800 3344533 erreichbar.

Eine Übersicht von Telefon- und Online-Angeboten gibt es auf den Seiten des Ministeriums für Arbeit und Soziales von Sachsen-Anhalt unter: https://ms.sachsen-anhalt.de/themen/gesundheit/aktuell/coronavirus/allgemeine-informationen-zum-coronavirus/bundesweiten-beratungsangebote/

Die AOK Sachsen-Anhalt betreut rund 790.000 Versicherte und 50.000 Arbeitgeber in 44 regionalen Kundencentern. Mit einem Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem Marktanteil von rund 39 Prozent ist sie die günstigste und größte Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.

ots/-gw

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