Erstmals gemeinsam – „Lebensmenschen – Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin“ im Museum Wiesbaden

22 Mrz
2020

Alexej von Jawlensky „Selbstbildnis“, 1912, Öl auf Karton; Museum Wiesbaden • Foto: Museum Wiesbaden ⁄ Bernd Fickert

Wiesbaden – Das Museum Wiesbaden präsentiert in der Doppelretrospektive „Lebensmenschen – Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin“ erstmals das Oeuvre des Künstlerpaars Seite an Seite in einer gemeinsamen Schau.

Die beiden zählen zu den führenden Künstlerpositionen des Expressionismus und waren entscheidend für die Entwicklung der Modernen Kunst. Bislang wurde die Partnerschaft dieser „Lebensmenschen“ jedoch kaum erforscht. Die Ausstellung zeigt mit rund 190 Gemälden, Grafiken und Zeichnungen die äußerst spannungsgeladenen künstlerischen Werdegänge beider Persönlichkeiten auf.

Die beiden treibenden Kräfte des Expressionismus Jawlensky und Werefkin erstmals im direkten Gegenüber vereint präsentieren zu können, war ein lang gehegter Wunsch des Museums Wiesbaden“, sagt Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der großartigen Schau: Endlich kann man sehen, was die beiden Künstler vereinte, was sie voneinander trennte und vor allem, was sie 29 Jahre lang trotz kompliziertester familiärer Verhältnisse zusammenhalten ließ – ihr unbedingter Wille am Beginn des 20. Jahrhunderts die Kunst zu erneuern.“

Marianne von Werefkin „Selbstbildnis“, 1910, Tempera und Lackbronze auf Karton; Städtische Galerie im Lenbachhaus • Foto: Simone Gänsheimer, Ernst Jank

Wie gegensätzlich die Charaktere von Jawlensky (1864–1941) und Werefkin (1860–1938) waren, zeigen bereits die beiden berühmten Selbstbildnisse, die die Besucher*innen gleich zu Beginn der Präsentation in der Rotunde empfangen. Diese Porträts sind nicht nur nahezu zeitgleich entstanden, sondern sind wegen der ähnlichen Farben, Formate und Bildausschnitte gut vergleichbar. Auf den zweiten Blick offenbart sich allerdings das Konträre, das die Beziehung der beiden so kompliziert machte: Während Werefkin mit markant hochgezogenen Augenbrauen und rotglühendem Blick den Betrachter zu hypnotisieren versucht, scheint Jawlensky weniger den Betrachter, als sich selbst – wie vor einem Spiegel – kritisch anzusehen.

Mit der von Jawlensky und Werefkin 1909 initiierten Gründung der „Neuen Künstlervereinigung München“, aus der zwei Jahre darauf der Blaue Reiter hervorgegangen ist, hat das Paar – sie als Vordenkerin und er als malerischer Impulsgeber – nicht nur die Moderne vorangetrieben, sondern auch jeder für sich einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kunst am Beginn des 20. Jahrhunderts geleistet.

Die chronologisch gehängten Arbeiten zeichnen die Lebenswege der beiden Künstler nach, beginnend mit den Anfängen in Russland, gefolgt von einem langjährigen Aufenthalt in München und den produktiven gemeinsamen Arbeitsphasen, u.a. in Murnau bis hin zum Exil in der Schweiz 1914–1921 und der Trennung des Paares mit dem Umzug Jawlenskys nach Wiesbaden (Juni 1921) und Werefkins letztem Lebensabschnitt in Ascona.

V.li.: Dr. Andreas Henning, Museumsdirektor; Karin Wolff, Geschäftsführerin Kulturfonds Frankfurt RheinMain, und Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger – im Hintergrund ein Foto mit Werefkin und Jawlensky in ihrem Atelier • Foto: Bernd Heier

Die höchst beeindruckende Schau ist ein Ausstellungsprojekt mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München – in Kooperation mit dem Alexej von Jawlensky-Archiv, Muralto, CH und der Fondazione Marianne Werefkin, Ascona, CH.

„Lebensmenschen – Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin“ im Museum Wiesbaden – gefördert durch: Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Kulturstiftung der Länder, Ernst von Siemens Kunststiftung, Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Nassauische Sparkasse – ist bis zum 12. Juli 2020 zu bewundern. –

ACHTUNG: „Wegen des Coronavirus ist das Museum bis zum 19. April 2020 geschlossen. – “Weitere Informationen unter:  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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