Gezeichnete Postkarten im ‚Caricatura Museum‘: „Das kann ja heiter werden“ – Witz trifft auf Sinn und Unsinn

13 Mrz
2020

Ausstellungsplakat • © Caricatura Museum

Frankfurt am Main – Unter dem Titel „F.W. Bernsteins Grafisches Trainingslager an der Eider. Das kann ja heiter werden“ zeigt das ‚Caricatura Museum Frankfurt‚ eine amüsante Auswahl von gezeichneten Postkarten. Diese sind bei den jährlichen Treffen der „Postkarten-Connection der Rendsburger Zeichnerei von 1990 bis heute“ entstanden.

Die Anfänge dieses „Trainingslagers“ liegen mittlerweile mehr als 30 Jahre zurück. Der Titanic-Zeichner und Universitätsprofessor F.W. Bernstein, alias Fritz Weigle, wurde damals in die Sommerakademie nach Rendsburg eingeladen. Der berühmte Karikaturist und Dichter, Gründungsmitglied der sog. „Frankfurter Schule“, übernahm dort die Leitung des Zeichenkurses: Die „Rendsburger Zeichnerei“ ward geboren. Seitdem treffen sich jährlich bis zu 40 Zeichnerinnen und Zeichner, professionelle Künstler und Amateure aus ganz Deutschland zu einem achttägigen Workshop, um eine Woche lang tagsüber nichts anderes zu tun, als zu zeichnen. Bis 2004 stand dieses Zeichen-Seminar unter der Leitung von F.W. Bernstein; derzeit wird es mit großer Begeisterung von Lotte Wagner geleitet.

Lotte Wagner mit einer kleinen Auswahl der ihr zugeschickten Postkarten • Foto: Bernd Heier

Nach Beendigung des ersten Fortbildungsseminars im September 1990 gab Altmeister Bernstein seinen Schülern die Anweisung mit auf den Weg: „Wenn du eine gezeichnete Postkarte erhältst, antworte mit einer gezeichneten Postkarte“. Er löste damit ein nicht enden wollendes Hin und Her bekritzelter, aquarellierter, gestempelter Papierstückchen aus. Abertausende Karten wurden in den kommenden Jahren kreuz und quer durch die Republik geschickt. „Bernsteins ,Hausaufgabe‘, sich gegenseitig gezeichnete Karten zukommen zu lassen, diente dazu, quasi in Schwung zu bleiben“, sagt der Zeichner und Mitkurator Peter P. Neuhaus. Die daraus entstandene Korrespondenz ging schon bald weit über den ursprünglichen Teilnehmerkreis hinaus.

In den letzten 30 Jahren wurden mehr als 15.000 Postkarten verschickt. So entstand im Laufe der Jahre eine variantenreiche Korrespondenz mit vielfältigen Themen, verschiedenen Techniken, Formaten und Fertigkeitsgraden. Hier trifft Witz auf Ernsthaftigkeit, Komik auf Sinn und Unsinn.

Damals war Bernstein wohl selbst von dem großen Erfolg des beliebten Fortbildungsseminars überrascht: „Die Theorie, dass die Lust am Zeichnen heilbar ist, wurde gründlich widerlegt“. Im August 2000 formulierte er die launige Zeichenverordnung „Am Anfang war der Strich“, die 34 Punkte umfasst. Sie regelt beispielsweise, dass in den Monaten ohne R weder Butter noch Parfum gezeichnet werden dürften und dass die Strichgeschwindigkeit der Alkoholmenge anzupassen sei. Noch heute gibt es diese „Serviervorschläge“, wie Lotte Wagner betont, z.B. „Tier des Tages“, „Goethes Geburtstag“ oder Aktzeichnen.

Den Ende 2018 verstorbenen F.W. Bernstein ehrt das Museum mit 40 gezeichneten Postkarten • Foto: Bernd Heier

Im „F.W. Bernstein-Kabinett“ können sich Besucher an 260 ausgewählten Karten von 62 Zeichner*innen erfreuen. Für die kurzweilige Schau konnten die Karten-Empfänger jeweils 4 bis 5 Lieblingskarten auswählen und dem Caricatura zur Verfügung stellen. Zu sehen sind u.a. Arbeiten der Künstler Oliver Schollenberger, Lotte Wagner und Ulrike Wenzel, der Cartoonisten Martin Perscheid, Ari Plikat und POLO sowie der Illustratoren Heike Drewelow und Christoph Gremmer.

„F.W. Bernsteins Grafisches Trainingslager an der Eider. Das kann ja heiter werden“: Bis 27. August 2020 im „Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst“ – Weitere Informationen unter:  www.caricatura-museum.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-accountwa id=’mad03′]

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben