Körper als Projektionsfläche für Gefühle – Werke von Juul Kraijer im „Museum Sinclair-Haus“ Bad Homburg

5 Mrz
2020

Pressekonferenz mit der neuen Direktorin des Museums Sinclair-Haus, Kathrin Meyer (Mitte), links: Kuratorin Ina Fuchs, rechts: Claudia Praml, Leitung Kommunikation – im Hintergrund: Eine großformatige Kohlezeichnung von Juul Kraijer • Foto: Bernd Heier

Bad Homburg vor der Höhe – Unter dem Titel „Zweiheit“ zeigt das ‚Museum Sinclair-Haus‚ Werke der niederländischen Künstlerin Juul Kraijer.

Die monografische Ausstellung bietet einen umfassenden Einblick in das Werk der in Rotterdam lebenden und arbeitenden Künstlerin. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit der Natur des Menschen.Der Körper dient ihr dabei als Projektionsfläche für Gefühle und Zustände. Kraijers Werke loten die Grenzen des Körpers aus und überschreiten sie immer wieder“, sagt die Kuratorin Ina Fuchs.

Die vielseitige Künstlerin „spielt in ihren Werken mit festen Zuschreibungen, indem sie den menschlichen Körper bildnerisch transformiert bis hin zur Auflösung der scharfen Trennlinien zwischen Mensch und Tier oder Mensch und Pflanze“. Insgesamt sind rund 60 Arbeiten zu sehen: Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Filme.

Juul Kraijer wurde 1970 in Assen, Niederlande, geboren und studierte Malerei an der „Academie voor Beeldende Kunsten“ in Rotterdam. Ihr künstlerisches Schaffen drehte sich von Beginn an um das Medium der Zeichnung. In ihren teils großformatigen Kohlezeichnungen stellt die Künstlerin vor allem weibliche Figuren dar. Abwesend und wie in Trance scheinen sich die Figuren ihrer selbst kaum bewusst zu sein, genauso wenig wie der Verwandlung, die ihnen geschieht: So löst sich der Körper mal in einen Fischschwarm auf oder er verschmilzt mit knorrigen Ästen, ein anderes Mal ist er gespiegelt, gedoppelt und dabei beobachtet er sich selbst.

Juul Kraijer, Untitled, 2016-2019; © JuulKraijer

Kraijers Zeichnungen zeigen keine realen Situationen oder Personen. Vielmehr dient ihr der Körper als Medium, um geistige Zustände oder Gefühle zu visualisieren. „Die Dualität von Innen und Außen, von Körper und Geist, von Einheit und Zweiheit wird aufgelöst. An ihre Stelle rückt eine unbestimmbare, fließende Vielheit, die feste Zuschreibungen und Definitionen unterläuft. Durch das Herauslösen der Figuren aus jeglichen kulturellen, örtlichen und zeitlichen Kontexten, drehen sich Kraijers Arbeiten um die Essenz des Menschseins. Sie sind daher gerade in unserer heutigen Zeit von Bedeutung. Was verbindet uns, was haben wir gemeinsam? Mit ihrem Werk dringt sie in die Tiefen der menschlichen Natur vor“, erläutert Ina Fuchs.

Für ihre Motivfindung schöpft die Künstlerin immer wieder aus der Natur sowie aus der westlichen Kunst- und Kulturgeschichte. Einige Arbeiten erinnern an die sich in einen Baum verwandelnde Daphne oder an die Schlangenhaare der Medusa. All diese visuellen und thematischen Impulse übersetzt sie in bildmächtige Arbeiten.

Juul Kraijer in ihrem Atelier © Stiftung Nantesbuch • Foto: Anja Jahn

In den letzten Jahren hat die international bekannte Künstlerin begonnen, auch in den Medien Video und Fotografie die Grenzen des körperlich Möglichen auszuloten. Die beeindruckende Schau in Bad Homburg lädt dazu ein, in Kraijers Werken aus drei Jahrzehnten den faszinierenden Reichtum ihrer Motive zu entdecken. – Die Ausstellung wird von einem umfassenden Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm rund um die Themen „Dualität“, „Bestimmung“, „Körper und (Körper-)grenzen“ begleitet.

„Zweiheit“ bis zum 01. Juni 2020 im ‚Museum Sinclair-Haus‘. Die Ausstellung ist Teil des Jahresprogramms der ‚Stiftung Nantesbuch‚, das 2020 unter dem Thema „Bestimmung“ steht – weitere Informationen unter:  www.museum-sinclair-haus.de  und  www.stiftung-nantesbuch.de

hbh

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