Rückkehr der „Sehnsuchtsbilder“ des virtuosen Genremalers … „Ludwig Knaus – Homecoming“ im Museum Wiesbaden

20 Feb
2020

Ludwig Knaus „Die Goldene Hochzeit“, 1859, Öl auf Leinwand; Grohmann Museum at Milwaukee School of Engineering; Foto: Grohmann Museum and Larry Sanders, Milwaukee • Abb.: Museum Wiesbaden

WiesbadenLudwig Knaus zählte zu den bedeutendsten deutschen Malern im 19. Jahrhundert. Der in Wiesbaden 1829 geborene Künstler galt in seiner Zeit als der berühmteste Sohn der Stadt, der er sein ganzes Leben lang eng verbunden war.

Mit seinen im In- und Ausland äußerst erfolgreichen „Sehnsuchtsbildern“ verhalf er der Genremalerei zu einer einzigartigen Popularität. Nach Knaus Tod 1910 in Berlin verblasste jedoch sein Ruhm rasch und mit ihm auch die Bedeutung der Genremalerei.

Die Ausstellung „Homecoming“ knüpft an die Glanzzeit von Ludwig Knaus an und ruft den Künstler wieder in das allgemeine, insbesondere aber in das hessische Gedächtnis zurück. Herausragende Ölgemälde, wie die „Goldene Hochzeit“, wurden bereits zu Knaus Lebzeiten nach Amerika verkauft. Der Fokus der Ausstellung liegt auf jenen Schlüsselwerken aus Amerika, die seinen Ruhm noch gesteigert haben und die nun erstmalig wieder „nach Hause“ zurückkehren. Seine berühmteste Komposition war allerdings noch nie im Original in Deutschland zu sehen, da Knaus die Endfassung der „Goldenen Hochzeit“ in Paris malte und diese direkt nach Amerika verkauft wurde. Dennoch war das Gemälde in Deutschland bekannt und beliebt, weil Knaus selbst Vervielfältigungen dieses Verkaufsschlagers veranlasst hatte und die Reproduktionen ein beliebtes Hochzeitsgeschenk waren.

Ludwig Knaus „Kinderfigurenstudie“, o.J.; Privatsammlung Stuttgart; Foto: Linus Breuninger • Abb.: Museum Wiesbaden

Die von Dr. Peter Forster und Rebecca Krämer kuratierte Schau spiegelt bis zum 02. August 2020 anhand von rund 70 hochqualitativen Gemälden und 100 Zeichnungen Ludwig Knaus‘ Beobachtungen der Gesellschaft im 19. Jahrhundert wider. Die meist vielfigurigen, narrativen Arbeiten mit Alltagsmotiven, wie „Das Kirchweihfest – Tanz unter den Linden vor einem hessischen Dorf“ oder „Sonntäglicher Spaziergang“ bieten tiefe Einblicke in die Kultur und Geschichte Hessens.

Ludwig Knaus „Selbstbildnis“, 1890, Öl auf Holz; Museum Wiesbaden; Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert • Abb.: Museum Wiesbaden

Der Wiesbadener Künstler wurde nach einer Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie zu einem der führenden Genre- und Porträtmaler des 19. Jahrhunderts. Bereits 1852 feierte der junge Knaus mit seinen Arbeiten erste Erfolge in Paris. Besonders bei Amerikanern waren seine Werke gefragt. Aufgrund seiner hohen Preise konnte das Museum Wiesbaden sich zu Knaus‘ Lebzeiten nur zwei Gemälde: „Brautschau“ von 1864 und „Die Frühlingsidylle“ von 1895 leisten – und das auch nur zu Sonderkonditionen. Dieses Glück hatte die Kaiserin, die ein Madonnenbild erwerben wollte, allerdings nicht. Majestät war es zu „theuer“ und wohl auch zu weltlich, wie der enttäuschte Knaus seinem Freund Barthold Suermondt schrieb.

Knaus war auch ein exzellenter Zeichner und einfühlsamer Porträtist, der den vielen Kundenwünschen kaum nachkommen konnte. Für seine malerische Virtuosität  und sein einzigartiges Kolorit-Verständnis wurde er vielfach ausgezeichnet. Auch nachdem er 1874 als Professur an die Akademie der Künste in Berlin berufen wurde, malte er mit großem Erfolg weiter. „Als er 1910 in Berlin starb, wurde nicht nur ein brillanter Künstler zu Grabe getragen, sondern die Genremalerei gleich mit“, so Forster, Kustos für alte Meister am Wiesbadener Landesmuseum.

Schirmherr der grandiosen Ausstellung, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert wird, ist Ministerpräsident Volker Bouffier. – „Ludwig Knaus – Homecoming“ bis zum 02. August 2020 im Museum Wiesbaden, Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur. – Weitere Informationen unter:  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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