Liebesgrüße aus Havanna … Zeitgenössische kubanische Kunst in den Opelvillen

14 Feb
2020

Ricardo G. Elías„305-I“, aus der Serie „Dry Gold“, 2005–2009; © Ricardo G. Elías

Rüsselsheim – Da das Bild von Kuba bis in die Gegenwart durch den Kalten Krieg geprägt ist, verweist der Titel der neuesten Ausstellung in den Opelvillen „Liebesgrüße aus Havanna“ auf den James-Bond-Klassiker „Liebesgrüße aus Moskau“, der 1963 kurz nach der Kuba-Krise gedreht wurde.

Bis heute spiegeln viele Facetten der kubanischen Kunst die besondere Geschichte des Landes sowie die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Realität des kommunistischen Staates wider.

Der Fall der Berliner Mauer 1989 und der Zerfall der Sowjetunion 1991 sowie die Wende der Ostblockländer zum Kapitalismus hatten für den Karibikstaat enorme wirtschaftliche Folgen. Mit der Auflösung der Sowjetunion brach Kubas Außenhandel zusammen und als Hilfsleistungen ausblieben, stand die kubanische Wirtschaft vor dem Kollaps. Zur Überwindung der Krise forderte Fidel Castro radikale Einschnitte und Wirtschaftsmaßnahmen und rief 1990 die sogenannte „Sonderperiode in Friedenszeiten“ aus.

 

Carlos Quintana „Reflejos en elagua“, 2006; © Carlos Quintana

Diese „Sonderperiode“ brachte auch für Künstler drastische Einbußen. Viele thematisieren die ärmliche Situation des Landes. So dokumentiert beispielsweise Juan Carlos Alommit der Fotoserie „Períodoespecial“ eindrucksvoll die Jahre der Wirtschaftskrise, die die Werte der kubanischen Gesellschaft auf harte Proben stellte. Andere Arbeiten sind Reflektionen über die Ruinen der nationalen Infrastruktur und deren utopischen Ideologien.

 

Mit der fortschreitenden Globalisierung hat sich auch die Sicht der jungen Künstlergeneration gewandelt. „Die Globalisierung hat nun nicht nur in der kubanischen Gesellschaft, sondern auch in der Kunst eine Öffnung für Themen und Perspektiven geschaffen, die man nicht als eindeutig ‚lokal‘ bezeichnen kann“, erklärt Dr. Beate Kemfert, Vorstand der Stiftung Opelvillen. Die von ihr kuratierte Schau „Liebesgrüße aus Havanna“ belegt das überzeugend. Zu sehen sind rund 120 Werke von 20 zeitgenössischen Künstler*innen, die alle Medien, angefangen von Ölgemälden, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen, Installationen bis hin zu Fotografie und Videos umfassen.

Gut 10 Prozent der gezeigten Arbeiten hat der Sammler Robert Funcke aus Neu-Isenburg beigesteuert; die anderen stammen direkt aus den Ateliers der Künstler. Funcke hat auch den Kontakt zu dem maßgeblichen Künstler und Kunstwissenschaftler Tonel (Antonio Eligio Fernández) hergestellt. Neben den Leihgaben aus der Sammlung Funcke sind auch neue, spannungsvolle Werke zeitgenössischer Künstler*innen aus Kuba zu sehen, die aktuelle Entwicklungen der Gegenwartskunst des Karibikstaates beleuchten.

Bei der Pressekonferenz präsentiert Dr. Beate Kemfert die Ausstellungszeitung; neben ihr der Sammler Robert Funcke • Foto: Bernd Heier

„Liebesgrüße aus Havanna. Zeitgenössische kubanische Kunst im internationalen Kontext“ wird unterstützt von der Sparkassen-Stiftung Gross-Gerau und vom Media Markt Bischofsheim. Die facettenreiche Schau ist bis zum 14. Juni 2020 in den Opelvillen Rüsselsheim zu sehen. – Jeder Besucher erhält kostenlos eine 32-seitige Ausstellungszeitung, herausgegeben von Beate Kemfert.  – 

Weitere Informationen unter:  www.opelvillen.de

hbh

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