Geheimnisse können schön, erschreckend, böse oder banal sein! – „Das Geheimnis“ im ‚Museum für Kommunikation‘

15 Dez
2019

Ausstellungsansicht, © Museum für Kommunikation • Foto: Kay Herschelmann

Frankfurt am Main – Gesellschaftlicher Spagat zwischen Transparenz und Geheimhaltung. – Geheimnisse gibt es, seit Menschen zusammenleben. Ob am Arbeitsplatz, beim Arzt oder in der Familie – kaum ein Bereich in unserem Leben kommt ohne Geheimnis aus.

Ihre Geschichte ist eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden. „Im 21. Jahrhundert scheint sich die Bedeutung von Geheimnissen verändert zu haben: Soziale Netzwerke, neue Kommunikationsformen und Überwachung bedrängen die Räume und Sphären, die das Entstehen und Bewahren von Geheimnissen ermöglichen, während Transparenz zum Leitbegriff nicht nur in Politik und Wirtschaft wird“, sagt Dr. Helmut Gold, Direktor ‚Museum für Kommunikation Frankfurt‘.

Die Verschiebung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit wird beispielsweise beim Telefonieren deutlich: Während früher in Telefonzellen – abgeschirmt von Außenstehenden – kommuniziert wurde, werden heute per Handy in aller Öffentlichkeit Interna preisgegeben – oft zum Vergnügen der unbekannten, neugierig lauschenden Mithörer.

Die Forum-Ausstellung „Geheimnis. Ein gesellschaftliches Phänomen“ wurde von der Nemetschek Stiftung konzipiert und ist jetzt im ‚Museum für Kommunikation Frankfurt‘ zu sehen. Die anregende Schau „fragt nach dem Zusammenspiel von Transparenz und Schutz, von Macht und Vertrauen sowie von persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung“, erläutert Silke Zimmermann, Kuratorin und Projektleiterin der Nemetschek Stiftung. Auf einem Rundgang durch die beeindruckende Präsentation mit Hör- und Videostationen nähern sich die Besucher*innen der Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven. Dieser führt durch verschiedene Stationen: Vom Zentrum der Macht über Glaubensorte, den eigenen Schreibtisch und die gute Stube bis in das Kinderzimmer.

Kinder lieben Geheimnisse – ab dem Schulalter beginnen sie diese auch mit Freunden zu teilen • Foto: Bernd Heier

An interaktiven Installationen können große wie kleine Gäste erkunden, was Geheimhaltung und Heimlichkeit für unsere Gesellschaft, aber auch für uns persönlich bedeuten. Dabei können sie unter anderem ein Geheimnis-Puzzle lösen, in einer Selbsteinschätzung ihre Tauglichkeit als Geheimnisträger testen, am Stammtisch Platz nehmen, Familiengeheimnisse aufdecken und eine Beichte ablegen. „Die Ausstellung gibt keine vorgefertigten Antworten, sondern versteht sich als künstlerischer Erlebnisraum, der Identifikation und Reflexion ermöglicht und zum Dialog mit anderen anregt“, so die Kuratorin.

Besonders kontrovers dürfte es beim Pro und Contra von Whistleblowing zugehen: Ist das Dienst an der Allgemeinheit oder schwerwiegender Verrat? Auch bei Sprachassistenten wie Alexa dürften die Einschätzungen weit auseinandergehen: Erleichtert Alexa das Alltagsleben oder sammelt sie auch nicht freiwillig zur Verfügung gestellte Daten und leitet diese weiter?

Die Nemetschek Stiftung  ist eine unabhängige, überparteiliche und gemeinnützige Stiftung in München. Sie möchte einen Beitrag zur demokratischen Kultur in Deutschland leisten. Dafür setzt die 2007 von der Familie Nemetschek ins Leben gerufene Stiftung innovative Projekte um, die überraschende Perspektiven auf gesellschaftspolitische Fragen eröffnen und zur Auseinandersetzung mit diesen anregen. 

„Das Geheimnis. Ein gesellschaftliches Phänomen“ bis 26. April 2020 im ‚Museum für Kommunikation Frankfurt‘ – Weitere Informationen unter: www.museumsstiftung.de

hbh

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-accountcwa id=’mad03′]

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben