Den Zustand, den wir Depression nennen, führt man selbst herbei …

9 Mrz
2010
Bernard

Dr. Paul Bernard

… genauso wie auch alles andere im Leben – durch ein ganz spezielles geistiges und körperliches Verhalten. Eine Begeisterung schafft man ja auch selbst!

Um deprimiert zu sein, muss man das Leben auf eine ganz bestimmte Weise erleben. Depressionen erzeugt man selbst durch ganz bestimmte Handlungen. Man jammert, jault und klagt – in einem Mitleid heischenden Tonfall. Man nimmt eine gebeugte Körperhaltung ein, atmet ganz flach und spricht leise. Die Körperhaltung drückt nicht nur unser Befinden aus, sondern beeinflusst es auch. Eine schlechte Haltung verschlechtert die Stimmung.

Um deprimiert sein zu wollen, hilft es, die Schultern hängen zu lassen und permanent zu Boden zu starren. Wer in einem traurigen Tonfall flüstert und sich gleichzeitig die allerschlimmsten Dinge vorstellt, die einem im Leben widerfahren können, der ist auf dem besten Wege zum Depressiv-werden.

Wer die chemischen Vorgänge in seinem Körper durcheinander bringt, indem er übermäßig Alkohol trinkt, raucht oder Psychopharmaka einnimmt, der arbeitet auch für die Depression.

Manche Menschen haben diesen depressiven Zustand schon oft herbeigeführt, es gelingt ihnen immer wieder, ihn zu aktivieren, den Körper daran zu erinnern. So identifizieren sich viele mit dem Zustand der Depression.

Ärzte versehen zu guter Letzt einen Menschen mit der Diagnose Depression … und er wird depressiv sein. Solche Begriffe wirken häufig als sich selbst erfüllende Prophezeiungen.

In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an einer Depression. Das neueste: Forscher sehen die Krankheit als Störung in einem durchaus nützlichen System. Depressionssymptome können einen Nutzen haben – beim Aufgeben unerreichbarer Ziele.

Meine Erfahrung sagt mir, dass einer Depression immer Ängste vorausgehen. Das müssen aber nicht nur neurotische Ängste sein. Eine Existenzangst oder eine Zukunftsangst bei einem drohenden Scheitern der Ehe kann das auch sein. Eine so genannte endogene Depression ist mir noch nicht begegnet. Ich glaube, dass eine länger bestehende Angstneurose immer zu einer Depression führt.

Die Bild-Zeitung schrieb schon im Oktober 1997 sehr richtig: „Das Geheimnis der Depression ist gelüftet. Millionen Menschen leiden unter Depressionen, jeder siebte bringt sich um. Jetzt hat der englische Forscher Steven Bukovsky das Geheimnis dieser Krankheit enträtselt. Sie entsteht durch chemische Reaktionen im Kopf, die beim Denken an Schlechtes ausgelöst werden. Diese Gedanken verstärken sich automatisch, weil der Patient depressiv wird. Einziges Gegenmittel: An Schönes denken, schlechte Gedanken sofort verscheuchen, sobald sie einen anspringen.“

Dieser Vorschlag ist richtig, aber nicht leicht in die Praxis umzusetzen. Mentaltherapie in Hypnose ist eine wirksame Selbsthilfe für den depressiven Patienten.

Dr. Paul Bernard, Schneverdingen /gw

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