Auf der Suche nach Wahrheit – „Frank Auerbach und Lucian Freud.Gesichter“ im ‚Städel Frankfurt‘

21 Mai
2018

Lucian Freud „Head of Bruce Bernard“, 1985, Radierung, Köln – Foto: Städel Museum; © The Lucian Freud Archive / Bridgeman Images

Frankfurt am Main – Städel Direktor Dr. Philipp Demandt freut sich, Leiter eines regen „Bürger-Museums“ zu sein, das von vielen Gönnern, Stiftungen und Leihgebern großzügig unterstützt wird.

Frank Auerbach „Self-Portrait“, 2017, Graphitzeichnung, Städel Museum, Frankfurt am Main; erworben 2017 mit Mitteln der Jürgen R. und Eva-Maria Mann Stiftung; Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V. – Foto: Städel Museum – ARTOTHEK; © Frank Auerbach, courtesy Marlborough Fine Art

Wegen des beschränkten Ankaufsetats ist nur dank dieses mäzenatischen Engagements der Erwerb von „preissensitiven“ Kunstwerken möglich. Dazu zählen auch die Werke von Frank Auerbach und Lucian Freud.

Das renommierte Museum am Schaumainkai hat in letzter Zeit einige Arbeiten dieser bedeutendsten figurativen Künstler der englischen Nachkriegskunst erhalten. So konnte der Städelsche Museums-Verein e.V. dank der Unterstützung der Jürgen R. und Eva-Maria Mann Stiftung das gezeichnete Selbstbildnis („Self-Portrait“, 2017) von Auerbach erwerben sowie die Radierung „Pluto“ (1988) von Freud mit Mitteln der Heinz und Gisela Friederichs Stiftung. Hinzu kommen ausgewählte Druckgrafiken und Zeichnungen von Auerbach und Freud aus Kölner Privatbesitz, die dem Städel als Schenkung versprochen sind.

Diese Arbeiten fügen sich hervorragend in den Sammlungsbestand des Städel Museums ein. Dazu Demandt: „Das Städel Museum erwarb bereits 1994 mit Lucian Freuds „Large Head“ eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Radierung des Künstlers für ein deutsches Museum überhaupt. Es ist ein großer Glücksfall, dass wir dieser Arbeit nun weitere neu in die Sammlung gekommene Werke von Auerbach und Freud an die Seite stellen können. Sie stärken diese herausragenden Positionen der figurativen Kunst des 20. beziehungsweise 21. Jahrhunderts und steigern die beachtliche Qualität der Graphischen Sammlung“.

Aus Anlass dieser exzeptionellen Neuerwerbungen zeigt das Städel die beeindruckende Sonderausstellung  „Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“. In der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung sind erstmals Hauptwerke der beiden Künstler in einer gemeinsamen Präsentation zu sehen. Insgesamt sind vierzig Zeichnungen und Druckgrafiken versammelt, insbesondere Bildnisse, die laut Demandt zu den kompromisslosesten und innovativsten der zeitgenössischen Kunst gehören.

Frank Auerbach (*1931) und Lucian Freud (1922–2011) waren über nahezu vier Jahrzehnte, bis zum Tod von Lucian Freud, eng befreundet. Sie verband nicht nur – trotz unterschiedlicher Formsprache – große Wertschätzung für die Kunst des anderen, sondern auch das Schicksal: Beide wurden in Berlin als Söhne jüdischer Familien geboren. Noch im Kindesalter mussten sie aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach England flüchten beziehungsweise emigrieren. Ihre Werke sind Ausdruck eines sehr persönlichen Sehens und Erlebens. Sie besaßen Werke des jeweils anderen und tauschten sich über ihr eigenes Schaffen und die westliche Kunst aus.

„Von Beginn ihres Schaffens an ringen Auerbach und Freud um ein tieferes Verständnis der sichtbaren Welt. Es geht ihnen nicht um Abbildhaftigkeit, sondern um Wahrheit, und dabei kommen sie immer wieder zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, Erkenntnissen, müsste man korrekterweise eigentlich sagen“, erläutert Kuratorin Regina Freyberger, Leiterin der ‚Graphischen Sammlung ab 1750‘ am Städel Museum.

Die sehenswerte Schau „Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ wird bis zum 12. August 2018 in der ‚Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung des Städel‘ gezeigt – weitere Informationen unter: www.staedelmuseum.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben