Von Hexenprozessen und wagemutigen Grenzüberschreitungen – „Frankfurter Frauengeschichte(n)“ brandneu im Societäts-Verlag

16 Dez
2017

Auf dem Cover (v.li.n.re.): Margarete Schütte-Lihotzky, Clotilde Koch-Gontard, Maria Sibylla Merian, Toni Sender und Lilly von Schnitzler; ©Societäts-Verlag

Frankfurt am Main – Nur wenige andere Städte können wohl mit so vielen bekannten Frauen aufwarten, die in Frankfurt am Main in den vergangenen Jahrhunderten wirkten. Die berühmten Frankfurterinnen verfügten nicht nur über hervorragende Bildung und wertvolle Geschäftsbeziehungen. Sie knüpften zudem kulturelle Netzwerke und bereisten die Welt.

In der soeben im Societäts-Verlag erschienenen Publikation „Frankfurter Frauengeschichte(n)“ stellen 14 Autorinnen und Autoren in fesselnden Beiträgen eine facettenreiche Auswahl dieser grundverschiedenen Lebenswege vor. Die Protagonistinnen waren Ehefrauen, Mütter, Künstlerinnen, Mäzeninnen, Schriftstellerinnen, Reisende, Frauenrechtlerinnen und Sozialreformerinnen.

Die Beiträge in dem von der Frankfurter Gesellschaft für Geschichte e.V. in Verbindung mit dem Institut für Stadtgeschichte herausgegebenen Buch beleuchten eindrucksvoll das ungewöhnliche Handeln dieser Frauen, die enormen gesellschaftlichen und politischen Widerstände, die sie zu überwinden hatten, sowie ihre wagemutigen Grenzüberschreitungen. Dazu Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte und eine der Herausgeberinnen dieser soeben erschienenen Publikation: „Dieser interdisziplinäre Sammelband verdeutlicht den sich über Generationen erstreckenden Emanzipationsprozess überwiegend am Beispiel der Biografien von Frankfurter Frauen“. Mitherausgeberin Ursula Kern, Kuratorin des Historischen Museums im Ruhestand, ergänzt, dass „die Autorinnen und Autoren in fünf thematisch gegliederten Kapiteln Einblicke in teilweise kaum erforschte Bereiche der Frankfurter Geschichte, die Begrenzungen weiblicher Lebensentwürfe und deren Überwindung geben“.

So schildert beispielsweise die Soziologin Prof. Marianne Rodenstein die Verfolgung von Frauen, die trotz Folter mutig in „Hexenprozessen“ auf ihrer Unschuld beharrten, sowie den „Frankfurter Sonderweg“ im Umgang mit dem Hexenwahn, der im 16. und 17. Jahrhundert seinen unrühmlichen Höhepunkt erreichte. „Ungewöhnliche Wege“ stellen der Kunsthistoriker Prof. Kurt Wettengel vor, der sich dem Leben der Künstlerin und Naturforscherin Maria Sybilla Merian widmet, und die Kunsthistorikerin Dr. Claudia-Alexandra Schwaighofer, die sich mit der Grafikerin Maria Katharina Prestel beschäftigt.

Gesondert erwähnt sei noch der von Studiendirektor Udo Stein verfasste Aufsatz, der sich wie ein Krimi liest: Darin schildert er die Geschichte der Frankfurterin Maria Kunkel, die im 18. Jahrhundert sogar unter Einschaltung des Kaisers ihre Ehescheidung erstritt und damit ein damals für Frauen seltenes Selbstbestimmungsrecht. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Ulrike Prokop rückt den Generationenkonflikt zwischen Catharina Elisabeth Goethe und ihrer hochgebildeten Tochter Cornelia in das Zentrum ihrer Untersuchung, die besonders den Gegensatz zwischen den von Cornelia verinnerlichten Idealen des Sturm und Drang sowie der religiös-ständisch geprägten Welt ihrer Mutter herausarbeitet.

Auch die anderen kenntnisreichen, lebendig verfassten Beiträge, die in „Frankfurter Frauengeschichten“ versammelt sind, tragen zu einem neuen Blick auf die Stadtgeschichte und eine größere Wertschätzung für die Rolle der Frauen in der Stadt bei.

„Frankfurter Frauengeschichte(n)“ in der Reihe „Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst“, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main (ISBN 978-3-95542-275-2), 244 seitige, umfassend bebilderte Publikation; 29,80 Euro – ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Bernd Heier

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