Beeindruckende Blicke auf das ungeschminkte Leben – „Glanz und Elend in der Weimarer Republik – von Otto Dix bis Jeanne Mammen“ in der SCHIRN

27 Nov
2017

Horst Naumann „Weimarer Fasching“, um 1928/29, Öl auf Leinwand, 91 x 71 cm; Albertinum / Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; © Nachlass Naumann; Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel / Hans-Peter Klut – Bild: Schirn

Frankfurt am Main – Soziale Spannungen, politische Kämpfe, gesellschaftliche Umbrüche, aber auch künstlerische Revolutionen und Neuerungen charakterisieren die Weimarer Republik.

In einer großen Themenausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik – von Otto Dix bis Jeanne Mammen“ wirft die ‚Schirn Kunsthalle Frankfurt‘ bis zum 25. Februar 2018 einen tiefen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918 bis 1933. Realistische, ironische, wütende, anklagende und oftmals auch geradezu prophetische Werke verdeutlichen den Kampf um die Demokratie und zeichnen das Bild einer Gesellschaft in der Krise und im Übergang.

Die gravierenden Probleme der Zeit, wie Armut, Arbeitslosigkeit sowie 1,5 Millionen Kriegsversehrte, bewegten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zu einer Spiegelung der Wirklichkeit und des Alltags, auf der Suche nach einem neuen Realismus oder „Naturalismus“.

Elfriede Lohse-Wächtler „Die Zigarettenpause (Selbstbildnis)“, 1931, Aquarell über Bleistift, 58 × 44 cm; Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e. V. Hamburg; © Nachlassverwaltung Elfriede Lohse-Wächtler – Bild: Schirn

Mit individueller Handschrift hielten sie die Geschichten ihrer Zeitgenossen einprägsam fest: Die Verarbeitung der Folgen des Ersten Weltkriegs mit Darstellungen von versehrten Soldaten und von „Kriegsgewinnlern“. Auch die Großstädte mit ihrer Vergnügungsindustrie und die zunehmende Prostitution, die politischen Unruhen und wirtschaftlichen Abgründe werden in der ergreifenden Schau ebenso beleuchtet wie das Rollenbild der Neuen Frau, die Debatten um die Paragrafen 175 und 218 – die Strafbarkeit von Homosexualität und Abtreibung –, die sozialen Veränderungen durch die Industrialisierung oder die wachsende Begeisterung für den Sport. In der Zusammenschau entsteht ein eindrückliches Panorama einer Zeit, deren Themen auch nach fast 100 Jahren nichts an Aktualität und Diskussionspotenzial verloren haben.

„Die Schirn setzt mit ‚Glanz und Elend in der Weimarer Republik‘ ein Gegengewicht zu den bereits vielfach gezeigten Ausstellungen über die ‚goldenen‘ 1920er-Jahre und wirft einen Blick auf das ungeschminkte Leben in der Weimarer Republik. Die knapp 200 Werke der 62 Künstlerinnen und Künstler halten der Gesellschaft jener Zeit schonungslos den Spiegel vor. So tritt uns eine Epoche am seidenen Faden der Demokratie vor Augen, eine Zeit, die uns vielleicht in mancher Hinsicht näher ist, als wir glauben wollen“, sagt Schirn-Direktor Dr. Philipp Demandt.

Im Fokus der packenden Schau steht das Unbehagen der Epoche, das sich in den facettenreichen Motiven wie auch in einem breiten stilistischen Spektrum zeigt. In thematisch konzipierten Räumen führt sie Darstellungen und Szenen aus Berlin, Dresden, Leipzig, Rostock, Stuttgart, Karlsruhe, München und Hannover zusammen, die bislang eher getrennt voneinander betrachtet wurden. In der sehenswerten Präsentation sind Gemälde, Grafiken und Skulpturen von bekannten wie auch bislang weniger beachteten Künstlerinnen und Künstlern vereint, darunter Max Beckmann, Kate Diehn-Bitt, Otto Dix, Dodo, Conrad Felixmüller, George Grosz, Karl Hubbuch, Lotte Laserstein, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Franz Radziwill, Christian Schad, Rudolf Schlichter, Georg Scholz und Richard Ziegler.

Für die große Themenausstellung konnte die Schirn bedeutende Leihgaben aus zahlreichen deutschen und internationalen Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen gewinnen, u.a. aus dem Metropolitan Museum of Art und der Neuen Galerie in New York, dem Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, dem Museum Moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien, der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, dem Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, dem Sprengel Museum Hannover, dem Kunstmuseum Stuttgart, dem Folkwang Museum Essen und der Stiftung Museum Kunstpalast Düsseldorf.

Die beeindruckende Ausstellung wird durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain ermöglicht. – „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“, Schirn Kunsthalle Frankfurt bis 25. Februar 2018; weitere Informationen unter: www.schirn.de

hbh

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