Ist Reformation Männersache? – Mitnichten! – Eine Frau streitet mit Theologen: Argula von Grumbach riskierte viel für ihre Glaubensüberzeugung

31 Okt
2017

Bild: obs

Wenn auch das Reformationsjubiläum eng mit Martin Luther verknüpft ist, oder in den historischen Quellen meist Männer genannt werden – wie Philipp Melanchthon oder Georg Spalatin – spielten doch auch viele Frauen für die kirchliche Erneuerungsbewegung eine wichtige Rolle.

Zum Beispiel Argula von Grumbach, eine fränkische Adelige, die 1492 geboren wurde. Sie führte einen regen Briefwechsel mit Luther, Spalatin und Andreas Osiander und verbreitete ihre Argumente für das neue freiheitliche Gedankengut Luthers in zahlreichen Flugblättern, die auflagenstark mit der neuen Technik des Buchdrucks verbreitet wurden.

In dem historischen Roman „Die Reformatorin“ (ISBN 9783957161123, erschienen im Verlag Kern) hat die Historikerin Silke Halbach das Leben dieser mutigen, eigenständigen Frau spannend beschrieben, die es wagte, unter Einsatz ihres Lebens aufseiten Martin Luthers für die Reformation zu kämpfen. Halbach hat sich in Argula von Grumbach hineinversetzt. Sie schildert lebendig das Alltagsleben, die Gedanken, Gefühle und Beweggründe der fränkischen Adeligen aus dem 16. Jahrhundert. Die promovierte Kulturwissenschaftlerin hat bereits mit ihrer historisch-theologischen Doktorarbeit über Argula von Grumbach die wissenschaftliche Grundlage zu dem Thema vorgelegt. Ihr historischer Roman ist präzise recherchiert bis in alle Details, glänzend geschrieben, fesselnd bis zur letzten Seite.

Argula ist eine adelige Frau an der Schwelle zur Neuzeit: Energisch, klug, mutig und leidenschaftlich. Ihre Überzeugung macht sie stark, und sie setzt alles aufs Spiel: Ihre gesellschaftliche Stellung, das Glück ihrer Familie, ja sogar ihr Leben … gegen alle Widerstände – nur Gott, ihrem Glauben, ihrem Gewissen verpflichtet.

Argula von Grumbach war Tochter des Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauff. Der Vater förderte die Bildung des aufgeweckten Kindes, schenkte ihr eine frühe deutsche Bibelübersetzung. Damit eignete sie sich eine umfassende Kenntnis der Heiligen Schrift an, mit der sie Männer ihrer Zeit gründlich verblüffte. Als in Ingolstadt der Theologie-Student Arsacius Seehofer, Anhänger der neuen Glaubensrichtung, zum Widerruf gezwungen und ins Kloster Ettal verbannt wurde, trat sie an den bayerischen Herzog Wilhelm und an die Ingolstädter Universität heran, die großes Aufsehen erregten.

Wie eyn Christliche fraw“, 1523 verfasst, wurde rasch und zahlreich vervielfältigt, sodass in weniger als zwei Monaten nach der Abfassung bereits 14 Ausgaben erschienen waren. Ihre Schriften verbreiteten sich weit über Bayern hinaus und erreichten etwa 30.000 Leser. Argula wurde so eine der ersten weiblichen Autorinnen im Protestantismus.

Ihr Eintreten für die Reformation brachte ihr viel Leid ein. Ihrem Gatten wurde 1524 das Amt genommen, die Familie geriet in Not, die Verwandtschaft trat scharf gegen sie auf. Doch davon ließ sie sich nicht bezwingen. Luther nannte sie in einem Brief „ein einzigartiges Werkzeug Christi“.

Furchtlos und selbständig – das sind Eigenschaften, die nicht nur Argula von Grumbach auszeichneten, sondern viele Frauen, wie beispielsweise Katharina von Bora, Elisabeth von Rochlitz, Anna Zwingli und viele mehr, die sich der – damals noch jungen – Bewegung der Reformation anschlossen. Erst in letzter Zeit sind die weiblichen Protagonistinnen der Reformation wiederentdeckt worden.

Die Rolle der Frauen bei der Ausbreitung des neuen, evangelischen Glaubens ist bis heute nicht ausreichend beleuchtet worden, sagt Margot Käßmann, die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum: „Ich denke, das Thema Frauen der Reformation ist wirklich unterbeleuchtet. Auch in der Vorbereitung aufs Reformationsjubiläum kommt das nicht genügend vor. Denn die Frauen haben entscheidend mitgestaltet. Und was wir auch sagen müssen: die Reformation hat ja Frauenleben aufgewertet. Das Frauenleben war auf einmal Teil dieses vor Gott so wichtigen Lebens.“

ots/wk

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