MARIA CALLAS grotesker Optimierungswille … „I am a problem“ – Inszenierung von Ersan Mondtag im Museum für Moderne Kunst Frankfurt

11 Okt
2017

Bettina Rheims: Karen Mulder with a very small Chanel bra, 1996; Courtesy Bettina Rheims; Foto: Axel Schneider

Frankfurt am Main – Für die Ausstellung „I am a problem“ verwandelt Ersan Mondtag die Räume des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main im MMK 2 im TaunusTor in eine Bühne, die die Besucher in eine düstere und zugleich aufreizende Parallelwelt entführt.

Den Ausgangspunkt für die Inszenierung des gefeierten Regisseurs und Bühnenbildners bildet ein Mythos um die Opernsängerin Maria Callas (1923–1977). Um ihre Traumfigur zu erreichen, soll sie sich einen Bandwurm einverleibt haben. Der nicht bestätigten, aber von der Diva auch nicht dementierten Legende nach führte der Parasit, den die berühmte Opernsängerin angeblich in einem Glas Champagner hinunterspülte, innerhalb weniger Wochen zu einem erstaunlichen Gewichtsverlust von 50 Kilogramm. Callas eiserner Optimierungswille sowie das Gerücht um ihre groteske Diät bilden das Motiv der Ausstellung.

In Zusammenarbeit mit Ersan Mondtag präsentiert das Museum für Moderne Kunst nun Werke seiner Sammlung, die sich zwischen exzentrischer Selbstoptimierung und der Kehrseite von körperlichen Auflösungserscheinungen bewegen. „Nachdem sich das MMK in den vergangenen Jahren zunehmend künstlerischen Ausdrucksformen jenseits der bildenden Kunst gewidmet hat, wie beispielsweise der Mode oder der Choreografie, haben wir mit „I am a problem“ erstmals eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit einem Theaterregisseur entwickelt. Die von Ersan Mondtag inszenierte Schau rückt gezielt den Transitraum zwischen bildender Kunst und Theater in den Fokus“, erläutert Kurator Peter Gorschlüter, kommissarischer Direktor des MMK.

Der Regisseur arbeitet zwischen den Feldern Theater, Tanz, Musik, Performance und Installation. Seine Inszenierungen entfalten sich als Bild- und Geräuschwelten, die alle Sinne ansprechen und in deren Mittelpunkt stets der Mensch mit seinen Sehnsüchten, Abgründen und Leidenschaften steht.

Regisseur Ersan Mondtag neben einer Arbeit von Martin Honert; Foto: © Stefan Maurer

Entlang des szenischen Parcours stoßen die Besucher immer wieder auf die zirka zweieinhalb Meter hohen lackschwarzen wurmartigen Raumelemente, die sich durch die ganze Ausstellung winden und einen starken Kontrast zu den komplett mit gelber Plastikhaut eingehüllten Räumen bilden. „Auf den verschlungenen Pfaden der Schau begegnen ihnen in den Werken Grenz- und Doppelgänger, stille Rebellen, gescheiterte Existenzen und der Selbstoptimierung anheim-gefallene Körper“, so Gorschlüter. Die gezeigten Werke reichen von Rosemarie Trockels „Frau ohne Unterleib“ über eine für die Ausstellung entwickelte begehbare pneumatische Skulptur von Plastique Fantastique bis hin zu jüngsten Erwerbungen des MMK, wie Will Benedicts titelgebendes Death-Metal-Video „I am a problem“.

Sie zeigen, wie die Metamorphosen des Körperlichen zu Sinnbildern für private und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen werden. Ersan Mondtags Inszenierung lädt die Besucher ein zu einer furiosen Reise durch die Höhen und Niederungen menschlicher Existenz. Mit Texten des Autors Thomaspeter Goergen – eingesprochen von Ensemblemitgliedern des Hamburger Thalia Theaters – verleiht Mondtag den Kunstwerken eine Stimme, die der Besucher über „Sound-Duschen“ hören kann. Die Dialoge kreisen meist um existenzielle Themen des Menschseins, wie die Transformierbarkeit der eigenen Identität, das Streben nach Perfektion oder die Vergänglichkeit der organischen Materie.

Die Ausstellung wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und den Museumskooperationspool der Stadt Frankfurt am Main.
„I am a problem“ im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, MMK 2 im TaunusTor, bis 18. Februar 2018 – weitere Informationen unter: www.mmk-frankfurt.de

Bernd Heier

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