Senckenberg-Forschungsinstitut … Neu entdeckte Wanzenart ist ältester bekannter Fund weltweit: Wasserläufer in Bernstein!

11 Okt
2017

Ein seltener Fund: Die neue Wasserläufer-Art, eingeschlossen in Spanischen Bernstein. © Senckenberg

Frankfurt am Main – Gemeinsam mit einem internationalen Team hat Senckenberg-Wissenschaftlerin Mónica M. Solórzano Kraemer zwei neue Wanzenarten in einem Bernstein entdeckt. Die zur Familie der Wasserläufer gehörenden Insekten stammen aus der Kreidezeit; der neue Fund ist der bisher älteste bekannte Nachweis dieser Gruppe.

Durch den Einsatz eines Infrarotmikroskops gelang dem Wissenschaftlerteam die Bestimmung der neuen Arten … langbeinige Wasserläufer, die sich elegant über die Wasseroberfläche bewegen – so war es wohl auch zu Lebzeiten der Dinosaurier, in der Kreidezeit. Doch Fossilfunde dieser Insekten sind selten – zu filigran sind deren Gliedmaßen, um bei der Fossilisation zerstörungsfrei erhalten zu bleiben. Auch die Erhaltung in versteinertem Harz ist unwahrscheinlich, da die wasserlebenden Tiere nicht häufig in der Nähe harzproduzierender Bäume anzutreffen sind.

„Jede neue Entdeckung dieser Wanzenart ist daher spektakulär und hilft uns dabei, die Ökologie der semi-aquatischen Tiere und ihre Bedeutung für das damalige Ökosystem zu verstehen“, erklärt Mónica M. Solórzano Kraemer. „Wir haben zwei Männchen und ein Weibchen der Wanzen-Familie Mesoveliidae, die in einem Bernstein der nordspanischen Fundstelle Peñacerrada eingeschlossen sind, neu beschrieben“, betont die Frankfurter Bernsteinforscherin.

Aufgrund des Vorhandenseins mehrerer Individuen in einem Bernstein geht das Forscherteam zudem davon aus, dass die feingliedrigen Insekten in Gemeinschaften lebten. „Der Fund ist der früheste Nachweis eines solchen ‚aggregativen Verhalten’ in der Erdgeschichte“, ergänzt Solórzano Kraemer.

Obwohl der Spanische Bernstein relativ hell und durchscheinend ist, erschweren Lufteinschlüsse und die dunkle Farbe der eingeschlossenen Tiere die Identifikation. „Mit unserem Infrarotmikroskop haben wir eine zerstörungsfreie Methode, mit der wir auch noch die kleinsten Details an den Bernstein-Einschlüssen erkennen können“, fügt Solórzano Kraemer hinzu. Zukünftig erhofft sie sich mit ihrem Team noch weitere Nachweise von kreidezeitlichen Wanzen in den Spanischen Bernsteinen zu finden:

„Wir gehen davon aus, dass die Wanzenfamilie sehr viel diverser war, als wir bisher belegen können. Weitere Funde werden uns helfen, diese Tiergruppe besser zu verstehen und ihre Verwandtschaftsverhältnisse neu zu ordnen.“

Dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren:

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu erhalten und nachhaltig nutzen zu können. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen und eigens erstellten Ausstellungen besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert.

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gw

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