Bedeutendste Vertreter der französischen Moderne MATISSE und BONNARD in großartiger Sonderausstellung im STÄDEL MUSEUM

12 Okt
2017

Frankfurt am Main – „Es lebe die Malerei!“ … STÄDEL präsentiert Werke von Matisse und Bonnard erstmals gemeinsam in großer Schau in Deutschland! (Teil 2) – Henri Matisse (1869–1954) und Pierre Bonnard (1867–1947) gelten als zwei der bedeutendsten Vertreter der französischen Moderne.

Die beiden weltbekannten Maler treten in einer großartigen Sonderausstellung im Städel Museum in einen spannenden Dialog, der ihren gegenseitigen Einfluss zeigt. Die reizvolle Gegenüberstellung verdeutlicht ihre künstlerischen Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede.

Henri Cartier-Bresson (1908–2004): Henri Matisse in seinem Haus in Südfrankreich, Vence, 1944; © Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos, CourtesyFondation HCB / Agentur Focus

Der Titel der Ausstellung „Es lebe die Malerei!“ geht auf den programmatischen Gruß zurück, den Matisse seinem Freund Bonnard am 13. August 1925 schrieb. Die wenigen Worte auf einer Postkarte aus Amsterdam waren der Beginn eines über 20-jährigen Briefwechsels, der von tiefer gegenseitiger Wertschätzung zeugt. Befreundet waren die Maler bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Beide besuchten sich häufig in ihren Ateliers und tauschten sich über ihre Arbeiten aus. Nachdem sie ihren Lebensmittelpunkt aus der Pariser Metropole ans Mittelmeer verlegt hatten, intensivierte sich ihr Kontakt noch weiter.

„Gemeinsam waren sie von der Bedeutung der Realität als Ausgangspunkt ihrer Arbeiten überzeugt. Zudem teilten sie die Ansicht, dass die Priorität ihrer Malerei nicht auf dem Motiv, sondern auf der Darstellung liege“, erläutert Kurator Felix Krämer. Ihre langjährige Vertrautheit war von Sympathie und neidloser Anerkennung geprägt.

ln der Malereigeschichte werden die Künstler – trotz ihrer markanten zeitlichen Nähe – oft zwei entgegengesetzten Strömungen zugerechnet: Bonnard, mit seinem luftigen, lockeren Pinselduktus und dem Einsatz zarter, flirrender Pastellfarben als großer Erbe des Impressionismus. Er selbst, der bereits sehr früh künstlerischen Erfolg hatte und in Frankreich so beliebt ist wie sein Freund Matisse, bezeichnete sich als „letzten Impressionisten“. Matisse, der zu Beginn seiner Malerkarriere ebenfalls dem Impressionismus zuneigte, gilt mit seinem Interesse an grellen Farben und flächigen, stark konturierten Bildkompositionen als ein weit ins 20. Jahrhundert weisender Pionier der Abstraktion.

Die ansprechend gehängte und klar gegliederte Schau, die sich über zwei Etagen im Ausstellungshaus erstreckt, widmet sich in thematisch orientierten Kapiteln der unterschiedlichen künstlerischen Umsetzung von solch zentralen Sujets wie Interieur, Stillleben, Landschaft und Akt, die in ihren Werken die Hauptrolle spielten. Dabei treten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich zutage, ohne dass dies jedoch in einen Wettstreit mündete. Das zeigt sich besonders bei der Auseinandersetzung mit dem weiblichen Akt– das „Markenzeichen“ beider Maler. Bei Bonnard sind es sinnliche Aktdarstellungen in Bad und Boudoir, bei Matisse verträumte Odalisken, Haremsdamen in exotischem Dekor.

Henri Cartier-Bresson (1908–2004): Pierre Bonnard in seinem Haus in Südfrankreich, Le Cannet, 1944; © Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos, CourtesyFondation HCB / Agentur Focus

In Bonnards Aktdarstellungen steht die Figur seiner Frau Marthe im Vordergrund, die er in über 50 Jahren auf beinahe 400 Gemälden verewigte und selbst nach ihrem Tod weiterhin malte. Immer wieder inszenierte er ihren stets jugendlichen Körper in Badebildern, die von einer traumartigen, ja häufig befremdlichen rätselhaften Atmosphäre durchdrungen sind. Ganz anders die Odalisken-Darstellungen von Matisse – Gemälde voll faszinierender Farbigkeit, in denen er Figur und Raum in lebhafter Ornamentik verzahnt darstellt.

Die Ausstellung bietet auch einen verblüffenden Einblick in den Entstehungsprozess eines Schlüsselwerks von Matisse „Großer liegender Akt“. Von Mai bis Oktober 1935 dokumentierte der Künstler mit einer Kamera die Entwicklung dieses Bildes. In den insgesamt 22 Schwarz-Weiß-Fotografien wird sichtbar, wie der Maler wesentliche Elemente der Komposition immer weiter vereinfachte und zunehmend flächiger gestaltete. Dieses Meisterwerk gehört zudem zu den allerersten Ölgemälden, bei denen Matisse ausgeschnittene Papierstücke als Hilfsmittel verwendete – eine Technik, die für sein spätes OEuvre entscheidend wurde und nach 1948 sein Schaffen an der Leinwand vollständig ablöste.

Unterstützt wird die grandiose Schau von der global tätigen Bank Société Générale, vom Städelschen Museums-Verein e.V., und von der Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung. – Interessierte können sich schon vor dem Städelbesuch mit dem Digitorial, das durch die Aventis Foundation ermöglicht wird, auf die Schau einstimmen: matissebonnard.staedelmuseum.de

„Matisse – Bonnard. „Es lebe die Malerei!“ im STÄDEL MUSEUM bis 14. Januar 2018 – weitere Informationen unter: www.staedelmuseum.de

Bernd Heier

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