Branche im Aufbruch zu neuen Ufern … Chemie 4.0: Innovationen für eine Welt im Umbruch!

1 Okt
2017

V.li.: Henrik Follmann, Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer im VCI, Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann und VCI-Präsident Kurt Bock – Foto: © VCI / René Spalek

Frankfurt am Main – Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland bricht zu neuen Ufern auf. Mit Chemie 4.0 beginnt die vierte Entwicklungsstufe in der 150-jährigen Geschichte der Branche, die in den nächsten Jahrzehnten geprägt wird durch Digitalisierung, zirkuläre Wirtschaft (geschlossene Stoffkreisläufe) und Nachhaltigkeit.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Chemie 4.0 – Wachstum durch Innovation in einer Welt im Umbruch“, die vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit Unterstützung des Beratungsunternehmens Deloitte erstellt wurde. „Indem wir künftig digitale Massendaten nutzen, kann unsere Branche ihre Rolle in den Wertschöpfungsketten erweitern und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Darüber hinaus verfügen wir über zukunftsorientierte Lösungen, um die zirkuläre Wirtschaft voranzutreiben“, betont VCI-Präsident Kurt Bock zum Potenzial von Chemie 4.0 für die Entwicklung der Unternehmen.

Daher planen die Unternehmen, in den nächsten drei bis fünf Jahren über 1 Milliarde Euro in Digitalisierungsprojekte und neue digitale Geschäftsmodelle zu investieren. Die Branche sehe Digitalisierung als Chance. Viele Unternehmen haben laut Bock „verstanden, was die Stunde schlägt“.

Digitalisierung ist für die deutsche Chemieindustrie kein neues Thema. Viele Unternehmen haben ihre Anlagen bereits automatisiert und setzen für die Steuerung digitale Prozesse ein. Aber die Nutzung von digitalen Massendaten, so die Studie, ermögliche nicht nur Effizienzgewinne in der Produktion – zum Beispiel durch vorausschauende Wartung mittels Sensoren – sondern führe auch zu mehr Innovation, etwa durch virtuelle Realität und fortgeschrittene Simulationen für Forschung und Produktentwicklung. „Die Verknüpfung von digitalen Dienstleistungen mit Produkten der Chemie- und Pharmaindustrie ist der Schlüssel für zusätzliche Wertschöpfung“, betonte der VCI-Präsident.

Die Analysen von Deloitte wurden durch eine Befragung mittelständischer Chemie- und Pharmaunternehmen ergänzt. Insgesamt haben sich 124 mittelständische Unternehmen aus allen Bereichen der Chemie- und Pharmaindustrie beteiligt. „Die mittelständischen Unternehmen zeigen sich in der Befragung überzeugt, dass die Digitalisierung und die zirkuläre Wirtschaft gerade dem Mittelstand neue Möglichkeiten eröffnen.“ Diese Chancen wollten die Mittelständler in erster Linie durch Innovationen nutzen. Zwei Drittel der befragten Unternehmen hätten eine Digitalisierungsstrategie entwickelt oder arbeiteten gerade daran. Vor allem im Bereich Digitalisierung habe die Befragung aber auch Hemmnisse aufgezeigt. „Ganz besonders nötig ist die Förderung eines schnellen Breitbandausbaus im ländlichen Raum. Außerdem muss die digitale Bildung über alle Altersstufen hinweg verbessert werden“, so Henrik Follmann, Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer im VCI.

Der Wandel zu Chemie 4.0 stelle eine Vielzahl von Anforderungen an die Branche. Aber der Paradigmenwechsel benötige, so der VCI-Präsident an die Adresse der Politiker gerichtet, auch Unterstützung durch industriepolitische Maßnahmen. „Der Wandel gelingt am besten in einem politischen und regulatorischen Umfeld, das neue Produkte und Investitionen fördert. Die Industriepolitik der nächsten Bundesregierung muss daher vor allem eines sein: Gute Innovationspolitik“.

Für die Weiterentwicklung der Digitalisierung sieht die Studie drei politische Prioritäten: Die öffentliche Hand müsse die technische Infrastruktur ausbauen, die digitale Bildung fördern sowie die Datensicherheit verbessern und Datenschutzregelungen prüfen. Als Ziel wird deklariert, dass spätestens bis 2025 die erforderliche schnelle Breitband-Infrastruktur für die Telekommunikation steht. Parallel sei der Aufbau eines leistungsfähigen Sicherheitsnetzwerks in Deutschland und Europa zwischen Behörden, Unternehmen und Forschung zu bewerkstelligen. Der Maßstab für den datenschutzrechtlichen Regulierungsrahmen sollte sich am mündigen Bürger orientieren.

hbh

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