„Wir wollen keine Raubkunst in unseren Sammlungen“, so Minister Boris Rhein … Restituiertes Uhde-Gemälde an Museum Wiesbaden übergeben!

12 Sep
2017
Fritz von Uhde

Fritz von Uhde „Gang nach Bethlehem“, 1890, Öl auf Leinwand, 92 x 110 cm; Foto: Museum Wiesbaden

Wiesbaden – Provenienzforschung ist ein äußerst schwieriges, weil komplexes Aufgabengebiet. Dies belegen die diffizilen Recherchen bei dem Gemälde „Gang nach Bethlehem“ von Fritz von Uhde: Dieses Meisterwerk des Münchener Malers gelangte 1980 über eine Schenkung aus der Privatsammlung von Rose und Friedrich Klein in das Museum Wiesbaden.

Aufgrund einer Suchmeldung in der Datenbank „Lost Art“ wurde das Landesmuseum 2015 aktiv und ließ die ursprüngliche Provenienz des Bildes durch die Zentrale Stelle für Provenienzforschung in Hessen recherchieren. Dabei wurde die Herkunft dieses Gemäldes geklärt und festgestellt, dass es aus der bedeutenden Kunstsammlung des liberalen jüdischen Berliner Verlegers Rudolf Mosse stammt und der Familie in der NS-Zeit – ebenso wie das gesamte Vermögen – verfolgungsbedingt entzogen worden war. Auf Betreiben der Nationalsozialisten wurde 1934 die Sammlung zu großen Teilen im Auktionshaus Rudolf Lepke in Berlin zwangsversteigert, darunter auch der „Gang nach Bethlehem“.

Aufgrund dieser Nachforschungsergebnisse wurde das Werk restituiert, blieb aber als Leihgabe der Erbengemeinschaft Mosse im Museum Wiesbaden. Jetzt konnte dieses Gemälde, das zu den Hauptwerken des Sammlungsbestands des 19. Jahrhunderts zählt, dank des Entgegenkommens der Erbengemeinschaft für einen Preis von 65.000 Euro angekauft werden. Das Landesmuseum wurde dabei finanziell unterstützt von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie der Hessischen Kulturstiftung.

Bei der offiziellen Übergabe (v.li.): Miriam Olivia Merz, Zentrale Stelle für Provenienzforschung in Hessen; Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung; Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst; Dr. Stephanie Tasch, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder; Dr. Peter Forster, Kustos der Alten Meister im Museum Wiesbaden und Prof. Dr. Jan Hegemann, Vertreter der Erbengemeinschaft nach Rudolf Mosse – Foto: Bernd Heier

In Anwesenheit des Ministers Boris Rhein wurde das Werk nun offiziell dem Museum Wiesbaden übergeben: „Mit der Suche nach NS-Raubgut in unseren landeseigenen Museumsbeständen stellen wir uns unserer historischen Verantwortung. Und so ist es immer ein besonderer Moment, wenn es den Expertinnen der Zentralen Stelle für Provenienz-Forschung gelingt, die Geschichte eines mutmaßlichen Raubkunst-Werks zu klären und seine rechtmäßigen Besitzer zu finden,“ – ergänzend fügt der Minister hinzu: „Wir wollen keine Raubkunst in unseren Sammlungen.“

Dr. Alexander Klar, Direktor des Museums Wiesbaden, ergänzte: „Ich bin sehr glücklich, dass es gelungen ist, mit der Erbengemeinschaft nach Rudolf Mosse zu einer einvernehmlichen und fairen Lösung zu kommen. Provenienzforschung, Restitution und die Rücküberlassung eines zuvor unrechtmäßig entzogenen Werkes durch die Erben des geschädigten Sammlers stellen heute einen wichtigen Teil der Sammlungsgeschichte des Museums Wiesbaden dar. In unserer Sammlung sind diese Werke heute ein Mahnmal der Unrechtsgeschichte Deutschlands, aber auch unseres Versuches, die Verbrechen während des Nationalsozialismus aufzuarbeiten.“

Da Uhdes Gemälde in der Sammlung der Alten Meister eine bedeutende Stellung einnimmt, war das Museum Wiesbaden an einem Verbleib des Werkes im Hause sehr interessiert. Dr. Peter Forster, Kustos der Alten Meister im Museum Wiesbaden, erfreut: „Wir erleben einen sehr guten Tag für die Provenienzforschung und einen guten Tag für das Museum“. Denn Fritz von Uhde (1848–1911) zählt zu den großen Malern des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland. Seit 1884 beschäftigten sich seine Werke mit religiösen Inhalten. Der Künstler bezog seine Themen überwiegend aus dem neuen Testament und siedelte sie im zeitgenössischen Milieu der „einfachen Leute“ an. Bei dem Gemälde in Wiesbaden handelt es sich um eine von Rudolf Mosse direkt bei Fritz von Uhde beauftragte kleinere Variante des Gemäldes „Der Gang nach Bethlehem“, das sich heute in der Königlichen Neuen Pinakothek in München befindet.  –  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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