Im ‚Institut für Stadtgeschichte‘: „Auf Herz und Nieren“ … Von preußischer Gesundheitspolizei zu Dienstleister für alle!

8 Sep
2017

© Institut für Stadtgeschichte

Frankfurt am Main – Die Präsentation „Auf Herz und Nieren. Geschichte des Frankfurter Gesundheitswesens“ im „Institut für Stadtgeschichte“ ist Bestandteil des umfangreichen Programms zum 100-jährigen Bestehen des Gesundheitsamtes.

Dessen Leiter, Professor Dr. Dr. René Gottschalk, verweist darauf, „dass die politisch Verantwortlichen in Frankfurt am Main schon früh die Notwendigkeit erkannten, sich in dieser durch Messe- und Krönungsbesucher stark frequentierten Stadt aktiv für die Gesundheit der Bevölkerung einzusetzen und dies bis heute tun.“

Die chronologisch angelegte Schau, die in Kooperation mit dem Gesundheitsamt erstellt wurde, setzt im Mittelalter an und führt bis in die Gegenwart. „Frankfurts erster Stadtarzt Johann Wolff ist durch eine Urkunde von 1381 namentlich bekannt. Mit diesem Schriftstück beginnt die umfassende Überlieferung im Institut für Stadtgeschichte zum kommunalen Gesundheitswesen“, sagte Dr. Evelyn Brockhoff, leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte bei der Vorstellung der informativen Sonderausstellung, die bis zum 08. April 2018 im zweiten Stock des Karmeliterklosters zu sehen ist.

Zur Gründung eines Gesundheitsamtes in Frankfurt kam es allerdings erst im Jahre 1917. „In der Ausstellung wird deutlich, dass sich unser Gesundheitsamt in den letzten einhundert Jahren von einer preußisch-obrigkeitlichen Gesundheitspolizei zu einem Dienstleister für alle Menschen in unserer Stadt entwickelt hat“, betonte Stadtrat Stefan Majer, Dezernent für Personal und Gesundheit.

Die Kuratorin Sabine Börchers hat die sehenswerte Präsentation in sechs große Themenkomplexe gegliedert: Entstehung des öffentlichen Gesundheitswesens, Gründung des Gesundheitsamtes im Ersten Weltkrieg, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Neue Herausforderungen und beständige Aufgaben sowie „Das Gesundheitsamt heute“. Eindrucksvoll die über Jahrhunderte gleichbleibenden Aufgaben wie Stadthygiene und Jugendfürsorge dargestellt und die sich verändernden Schwerpunkte im Kampf gegen wechselnde Krankheiten wie Pest, Syphilis, Tuberkulose bis zu AIDS und multiresistenten Infektionserregern. Beleuchtet werden zudem die immensen Herausforderungen während der beiden Weltkriege.

Wichtig war den Initiatoren der Schau, die Einbindung des Gesundheitsamtes in die mörderischen Ziele der Nationalsozialisten adäquat darzustellen, auch wenn die intensive wissenschaftliche Aufarbeitung dieser unfassbaren, tieferschütternden Thematik für Frankfurt noch aussteht. Das dunkle Kapitel Nationalsozialistische Gesundheitspolitik untergliedert sich in die Themen „Erb- und Rassenpflege“, „Zwangssterilisationen“ und „Vernichtung lebensunwerten Lebens“.

Ausführlich widmet sich die Ausstellung den vielfältigen Aufgaben des Gesundheitsamtes – einem der größten in Deutschland – in einer weltoffenen und internationalen Metropole: Der Prävention gegen Krankheiten und Epidemien, den umfangreichen amtsärztlichen Angeboten und Hilfen sowie den Frankfurter Innovationen wie der Drogenberatung, der AIDS-Beratungsstelle oder den Humanitären Sprechstunden. Heute sieht sich die Behörde als modernes Dienstleistungszentrum, das sich auch neuen Herausforderungen, wie „Umweltmedizin und Atomkraft“ oder „Reiselust und ihre Folgen“ stellen muss.

Über die ansprechende Dokumentation der Geschichte des Gesundheitswesens in Bild und Text hinaus sind in der Schau auch zahlreiche Exponate der Medizingeschichte aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen, beispielsweise der Taschenspucknapf „Blauer Heinrich“ zur Tuberkuloseprävention, ein Wachsmodell eines syphilitischen Gesichts oder Pockenimpfscheine.

„Auf Herz und Nieren. Geschichte des Frankfurter Gesundheitswesens“, bis 08. April 2018 im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster; weitere Informationen unter: www.stadtgeschichte-frankfurt.de

Bernd Heier

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