Nützlich, schädlich, tückisch … „Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ – exzellente Schau im Museum Wiesbaden!

11 Aug
2017
Fliegenpilz, Bernd Heier

Junge Besucherinnen neben dem gut drei Meter hohen Fliegenpilz-Modell – Foto: Bernd Heier

Wiesbaden – Pilze sind überall in der Welt präsent. Sie bestimmen unser Leben – meist allerdings von uns unbemerkt. Das Landesmuseum Wiesbaden lädt in der großartigen Sonderausstellung „Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ zu einer spannenden Forschungsreise in die geheimnisvolle Welt der Pilze ein.

Zu sehen sind über 1.300 detailgetreue Pilzpräparate, informative Videos und ein beeindruckender Film über das vielseitige Reich der Pilze. Außerdem gibt es Riech- und Mitmachstationen für Kinder sowie ein begleitendes Quiz.

Pilze tragen zum ökologischen Gleichgewicht in Wäldern, Graslandschaften, Mooren und Dünen bei. Die meisten Pilze zersetzen abgestorbene Pflanzen und tote Tiere, wodurch sie darin gebundene Nährstoffe freisetzen und so einen unverzichtbaren Beitrag zu den Stoffkreisläufen in der Natur leisten. Große Bedeutung haben auch Symbiosen zwischen Pilzen und anderen Lebewesen. Innige Verbindungen zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen („Mykorrhizen“) bringen beiden Partnern einen Vorteil: Der Pilz liefert der Pflanze Wasser und Nährsalze, während die Pflanze den Pilz mit Zucker versorgt.

Auch manche Tiere nutzen Pilze als Partner, insbesondere für die Erschließung von Nährstoffen. So leben zahlreiche Pilze in Wechselbeziehung mit Insekten, wobei hier vieles noch unerforscht ist. Blattschneiderameisen zum Beispiel sammeln große Mengen an Pflanzenmaterial, um darauf im Inneren ihrer Bauten Pilze zu züchten, von denen sie sich ernähren, wie ein anschauliches Video zeigt. Aber nicht nur Pflanzen und Tieren, sondern auch den Menschen nutzen Pilze auf vielfältige Art und Weise (s. Bericht „Von ‚Hexenbutter‘ und ‚Donnertäubling“ vom 14. Juli 2017 im POSITIV-MAGAZIN).

Pilzexperte, Bernd Heier

Ein Pilzexperte erklärt die Unterschiede zwischen essbaren und giftigen Pilzen – Foto: Bernd Heier

Pilze können jedoch auch äußerst schädlich für den Menschen sein, zum Beispiel als Schimmelpilze auf Lebensmitteln oder Pilzinfektionen an Haut und Schleimhäuten. Giftige Pilze können gar tödlich wirken. Die häufigste Pilzvergiftung in Deutschland tritt nach dem Verzehr des Karbol-Champions auf, der bereits nach 15 Minuten zu heftigen Brechdurchfällen führen kann. Viele Pilze befallen als Parasiten auch Nutzpflanzen oder Ernteprodukte und können dadurch die Erträge erheblich dezimieren.

Pilze leben häufig auf Kosten anderer Lebewesen, doch sie werden selbst auch Nahrung für andere Organismen, sogar für andere Pilze. Ihre Fruchtkörper werden nicht nur von Menschen als Delikatesse geschätzt, sondern sind auch bei Wildschweinen und Schnecken sehr beliebt. Auch viele Milben und Insekten, wie Springschwänze, ernähren sich gerne von Pilzmyzelien. Der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer wird beispielsweise gezielt zur Bekämpfung von Mehltau eingesetzt, der auch Nutzpflanzen befällt.

„Trotz ihrer großen Bedeutung für Mensch und Natur sind auch heute noch viele Fragen zu Pilzen nicht geklärt. Deshalb bietet die Mykologie (Pilzwissenschaft) an Universitäten und Forschungsinstituten ein großes Potential für zukunftsweisende Forschung“, sagt Fritz Geller-Grimm, Leiter der naturkundlichen Sammlungen. Dieser Bereich findet ebenfalls in der profunden Ausstellung mit der dreijährigen Vorbereitungszeit einen angemessenen Platz.

Neben Untersuchungen in der Neuen Welt stellt der Forschungsbereich von Prof. Meike Piepenbring von der Goethe-Universität Frankfurt überraschende Ergebnisse aus der Region vor: Ein Team der Frankfurter Universität hat bei Wiesbaden-Naurod auf einer Strecke von nur 500 Metern über 1.000 Pilzarten nachweisen können. Auch ‚Pilzkundliche Gesellschaften und Vereine‘, die Wissen zur Artenvielfalt und Lebensweise der Myzeten bewahren und an zukünftige Generationen weitergeben, finden in der großen Präsentation einen angemessenen Platz.

„Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ – Sonderausstellung im Hessischen Landesmuseum für Kunst und Natur – Museum Wiesbaden bis 05. August 2018 – weitere Informationen unter: www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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