Von ‚Hexenbutter‘ und ‚Donnertäubling‘ … „Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ – großartige Schau im Museum Wiesbaden!

14 Jul
2017
Museum Wiesbaden, Fliegenpilz

Abguss eines Fliegenpilzes aus der Sammlung Wechsler;  Foto: Bernd Fickert, Museum Wiesbaden

Wiesbaden – Das Landesmuseum Wiesbaden lädt zu einer spannenden Forschungsreise in die geheimnisvolle Welt der Pilze ein. Pilze, die weder den Tieren noch den Pflanzen zugeordnet werden können, bilden ein eigenes riesiges Reich. Einen fundierten Einblick in die Vielfalt bietet die Sonderausstellung „Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ mit über 1.300 naturgetreuen Abgüssen … eine Ausstellung der Superlative!

Weltweit sind bisher etwa 140.000 verschiedene Pilzarten wissenschaftlich beschrieben worden, doch Schätzungen gehen von mehr als 1,5 Millionen aus. Sie sind überall in der Welt präsent, spielen in allen Ökosystemen eine wichtige Rolle und faszinieren den Menschen seit jeher.

In der Antike waren viele Menschen davon überzeugt, dass Pilze das Ergebnis von Fäulnis und somit keine Lebewesen sind. Bis ins 19. Jahrhundert machte man auch Hexen oder Donner für ihr Auftauchen verantwortlich. Daher stammen auch die deutschen Namen einiger Pilzarten, z.B. „Hexenbutter“ (Exidianigricans) oder „Donnertäubling“ (Russulasp.). Erst 1861 wies Louis Pasteur durch Versuche nach, dass sich Lebewesen aus „Keimen“ entwickeln und Pilze diesbezüglich keine Ausnahme darstellen. Ihre teils lustigen deutschen Namen haben die Pilze trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse behalten, wie in der Ausstellung zu erfahren ist.

Schimmelpilzkulturen der ‚Goethe-Universität Frankfurt am Main‘ im Museum Wiesbaden;  Foto: Bernd Fickert, Museum Wiesbaden

Pilze sind nicht nur essentieller Bestandteil der natürlichen Stoffkreisläufe, sondern nutzen auch dem Menschen auf vielfältige Art und Weise. Die Fruchtkörper mancher Pilze sind echte Delikatessen. Auch der Einsatz von Hefen zur Herstellung von Wein, Bier und Backwaren gehört zu unserem Alltag. Selbst Schimmelpilze sind aus der Biotechnologie nicht mehr wegzudenken. Die Entdeckung des Antibiotikums Penicillin hat die moderne Medizin revolutioniert. Darüber hinaus können Pilze zum Färben von Wolle, Seide  sowie Leinen und zur Herstellung edler Papiere verwendet werden.

Fungi, so die botanische Bezeichnung, können andererseits äußerst schädlich und sogar tödlich wirken. Bekanntlich ist nicht jeder Pilzfruchtkörper essbar, etliche sind ungenießbar und mancher ist sogar äußerst giftig. Experten schätzen die Zahl der Pilzvergiftungen in Deutschland auf annähernd 2.000 jährlich, davon etliche tödlich. Auch Schimmelpilze auf Lebensmitteln können erhebliche gesundheitliche Probleme auslösen ebenso wie Pilzinfektionen an Haut und Schleimhäuten. Viele Pilze befallen als Parasiten Nutzpflanzen oder Ernteprodukte und können dadurch die landwirtschaftlichen Erträge erheblich dezimieren.

Schon früh waren sie mehr als nur Speisepilze. Dank bewusstseinsändernder Inhaltsstoffe dienten sie auch schamanistischen Kulturen. Selbst heute stehen sie im Zusammenhang mit der Entwicklung von LSD und Psilocybin, das halluzinogen wirkt. Auch völkerkundliche Aspekte, wie der in der traditionellen Indianerheilkunde sowie als Farbpulver zur Kriegsbemalung verwendete Indianerfarbenpilz, haben in der grandiosen Ausstellung ihren Platz gefunden. Auch perfekte Repliken der Gletschermumie „Ötzi“ sind zu sehen. Hatte der Mann aus dem Eis doch zwei essbare Pilze („Birkenporlinge“) dabei, die ihn vermutlich vor Magenbeschwerden schützen sollten.

Die von Fritz Geller-Grimm, dem Leiter der naturkundlichen Sammlungen, als „Wunderwerke moderner Präparation“ bezeichneten Exponate können erstmals in den eigens für Sonderausstellungen entworfenen Vitrinen bewundert werden, in denen die verschiedenen Lebensräume der Pilzkulturen präzise nachgestellt sind. Dank großzügiger Unterstützung der Alfred Weigle Stiftung Wiesbaden (140.000 Euro) war es möglich, diese ansprechenden Vitrinen mit moderner LED-Lichttechnik ausgestattet zu erwerben.

„Pilze – Nahrung, Gift und Mythen“ – Sonderausstellung im Hessischen Landesmuseum für Kunst und Natur – Museum Wiesbaden bis 05. August 2018 … weitere Informationen unter: www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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