Steindrucke vom Feinsten … Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts im Städel Museum Frankfurt

30 Jun
2017
Litigrafie, Städel

Francisco de Goya „Elfamoso Americano, Mariano Ceballos“, 1825 • Bild: Städel Museum

Frankfurt am Main – Mit der Erfindung des völlig neuen Steindruckverfahrens brach kurz vor 1800 eine neue Epoche der Vervielfältigung von Bildern an. Die gestalterischen Möglichkeiten waren im Vergleich zu den älteren Techniken wesentlich größer, das Drucken wurde schneller und die Auflagenzahlen erhöhten sich.

Erste künstlerisch bedeutende Lithografien entstanden im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts vor allem in Frankreich. Die Vielfalt der französischen Lithografie im 19. Jahrhundert ist bis zum 10. September 2017 in der Graphischen Sammlung des Städel Museums zu bewundern.

In Frankreich experimentierten bedeutende Künstler seit etwa 1820 mit dem neuen Verfahren und erweiterten im Verlauf des 19. Jahrhunderts in entscheidendem Maße die damit verbundenen künstlerischen Möglichkeiten. Unter dem Titel „Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts“ sind in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung rund 90 erlesene Blätter zu sehen, die laut Kurator Dr. Martin Sonnabend, Leiter der Graphischen Sammlung: „Höhepunkte aus dieser Zeit und in dieser Technik darstellen und einen Einblick in die qualitätsvollen Bestände der Graphischen Sammlung im Städel geben“. Zu sehen sind auch 15 Neuerwerbungen, die das Museum in den letzten Jahren tätigen konnte.

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901): Mademoiselle Marcelle Lender, en buste, 1895 • Bild: Städel Museum

Die Lithografie (griechisch „Steinschreiben oder -zeichnen“),  eine Erfindung des Münchners Alois Senefelder im Jahre 1798, ist im Gegensatz zu Hoch- und Tiefdruck (Holzschnitt, Kupferstich) ein Flachdruckverfahren. Die druckenden und die nicht druckenden Partien liegen auf der gleichen Ebene und werden chemisch, durch den Gegensatz von Fett und Wasser, voneinander getrennt. Bei der Farblithografie benötigt der Künstler für jede Farbe einen eigenen Stein, der ausschließlich die Partien der jeweiligen Farbe druckt.

Gleich zu Beginn der Schau empfängt die Besucher Francisco de Goyas wundervolles Blatt „ElfamosoAmericano, Mariano Ceballos“ aus seiner Serie der Stierkampfarbeiten. Goya (1746 – 1828), der  Spanien 1824 wegen politischer Repressalien verließ, begann noch im hohen Alter mit dem neuen Verfahren zu experimentieren. In Bordeaux entstanden die vier Blätter der Folge „Die Stiere von Bordeaux“ (1825), die einzigen in einer Auflage (von jeweils 100 Exemplaren) gedruckten Lithografien des Künstlers. Eines dieser heute seltenen und gesuchten Blätter konnte das Städel Museum 2013 erwerben.

Neben Goyas Meisterwerk umfasst das breite Spektrum der ausgestellten Arbeiten ausdrucksvolle Kompositionen von Théodore Géricault, Goethe- und Shakespeare-Illustrationen von Eugène Delacroix sowie Honoré Daumiers politische und gesellschaftliche Stellungnahmen in Zeitungskarikaturen, mit denen sich der autodidakte Künstler mehr als vier Jahrzehnte seinen Lebensunterhalt verdiente.

Zu sehen sind in der beeindruckenden Schau auch virtuose Arbeiten von Édouard Manet, die symbolistischen Werke Rodolphe Bresdins und Odilon Redons farbintensive Lithografien von den sogenannten „Nabis“ Édouard Vuillard und Pierre Bonnard sowie Meisterwerke von Henri de Toulouse-Lautrec, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Bei ihm trat die Lithografie als künstlerisches Ausdrucksmittel gleichberechtigt neben die Malerei und begründete – mehr noch als die Ölbilder – seine Bekanntheit zu Lebzeiten und seine Popularität bis heute.

„Géricault bis Toulouse-Lautrec.Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts“ bis 10. September 2017 in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung im Städel Museum. Weitere Informationen unter: www.staedelmuseum.de

Bernd Heier

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