Die Faszination spiegelnder Oberflächen … „SUR/FACE. Spiegel“ im Museum Angewandte Kunst … mit über 100 Exponaten!

28 Jun
2017
Spiegel,

Claudia Wieser „Ohne Titel (Wand 2)“, 2011; Spiegelglas, Holz; Courtesy Sies + Höke Galerie, Düsseldorf

Frankfurt am Main – Reflektierende Fassaden von Bankentürmen und Boutiquen, große Spiegel in Fitnessstudios, Empfangshallen und Wohnungen – spiegelnde Oberflächen sind heute allgegenwärtig – ein wahrer Hype. Wie erklärt sich die aktuelle Hochkonjunktur spiegelnder Materialien? Wie werden Spiegeleffekte im Design eingesetzt … wie werden sie in der Kunst reflektiert? Und wie beeinflusst uns die omnipräsente Spiegelerfahrung?

Spiegel, Museum Angewandte Kunst

Antonio Citterio + Toan Nguyen „TechnogymKinesis Personal Vision“, 2006, Trainingsgerät, Technogym (Hersteller), Poliertes Edelstahl, Aluminium; CourtesyTechnogym Germany; ©TechnogymS.p.A. • Fotos: Museum Angewandte Kunst

Einst waren Spiegel eine rare Kostbarkeit. Seit Beginn ihrer industriellen Herstellung im 19. Jahrhundert haben sie einen Siegeszug ohnegleichen in Architektur und Design der Moderne angetreten und sich zu einem selbstverständlichen Element unserer Umwelt entwickelt. Der Blick in den Spiegel dient der Selbstwahrnehmung und -beobachtung, er erleichtert die tägliche Körperpflege, das Inszenieren des Äußeren und emanzipiert uns vom prüfenden Blick eines Anderen. Unzählige Male täglich nutzen wir das Spiegelbild zur Selbstvergewisserung und zur reflexartigen Überprüfung unseres Aussehens.

Das Museum Angewandte Kunst widmet in „SUR/FACE. Spiegel“ dem Phänomen des Spiegelns in Kunst, Design und Architektur der Gegenwart eine große Ausstellung. Auf 1.200 Quadratmetern zeigt die vielseitige Schau bis zum 01. Oktober 2017 Designobjekte – etwa von Ron Arad, Ettore Sottsass und Oskar Zieta gemeinsam mit künstlerischen Arbeiten u.a. von Monir ShahroudyFarmanfarmaian, Isa Genzken oder Andy Warhol. „Über 100 Exponate aus Spiegelglas, hochpolierten Metallen oder reflektierendem Kunststoff ziehen den Blick der Besucherinnen und Besucher auf sich, lenken ihn, irritieren bisweilen, schaffen neue Perspektiven“, erläutert Museumsdirektor Dr. Matthias Wagner K.

„Spiegelnde Oberflächen öffnen illusionistisch Räume, deuten ins scheinbar Endlose und werfen den Blick zurück auf die (sich) Betrachtenden. Spiegelbilder existieren nie autonom, sie entstehen erst durch ihren räumlichen Kontext, durch Blick und Blickwinkel des Schauenden“, ergänzt Dr. Mahret Kupka, eine der Kuratorinnen. Die Präsentation in der nach wie vor beeindruckenden Architektur des Richard Meier-Baus mit Blick auf die spiegelnden Bankentürme der Frankfurter Skyline besteht aus zwei weiträumigen, Loft-ähnlichen Wohnungen. Darin bilden reflektierende Designobjekte und Modelmöbel unterschiedliche Interieurs, die an alltägliche Lebenswelten angelehnt sind.

So begegnen den Besucherinnen und Besuchern in der Ausstellung gleichsam vertraute wie verfremdete Räume täglicher „Spiegelmomente“: Vom öffentlichen Raum einer verspiegelten Lobby führt der Rundgang durch privatere Räume – wie Wohn- oder Esszimmer bis in die intimsten Bereiche des Wohnens wie Schlaf- und Badezimmer. In der kurzweiligen Schau, die großzügig vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und von Pro Helvetia, der Schweizer Kulturstiftung, gefördert wird, kann sich der Betrachter von der makellosen Perfektion spiegelnder Oberflächen faszinieren lassen, aber auch die Möglichkeiten der kontemplativen Selbstwahrnehmung hinterfragen.

Weitere Informationen unter: www.museumangewandtekunst.de

Bernd Heier

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