„Emil Nolde. Die Grotesken“ … Die ‚Internationalen Tage Ingelheim‘ zu Gast im Museum Wiesbaden

2 Mai
2017
Emil Nolde, Frühmorgenflug, Nolde Stiftung

Emil Nolde „Frühmorgenflug“, 1940, Öl auf Leinwand, 70 x 56 cm; NoldeStiftung Seebüll

Wiesbaden – Das Phantastische und Skurrile im Werk des Farbenmagiers! … Da das alte Rathaus in Nieder-Ingelheim zurzeit saniert wird und Ausstellungen dort nicht gezeigt werden können, sind die ‚Internationalen Tage Ingelheim‘ in diesem Jahr zu Gast im Museum Wiesbaden. Die Schau „Emil Nolde. Die Grotesken“ ist bis zum 09. Juli 2017.

Der Künstler wurde am 07. August 1867 als Hans Emil Hansen in dem Dorf Nolde im deutsch-dänischen Grenzgebiet geboren. Aus Anlass des 150. Geburtstags würdigen gleich acht Museen in Norddeutschland mit unterschiedlich thematisierten Ausstellungen die Vielfalt und Breite seines herausragenden malerischen Werks. 1902 heiratet Hansen die dänische Schauspielerin Ada Vilstrup und nennt sich fortan Emil Nolde nach seinem Geburtsort. Hochbetagt stirbt er 1956 und hinterlässt ein immenses Werk von expressiver Leuchtkraft.

Emil Nolde, Begegnung am Strand, Seebüll

„Begegnung am Strand“1920, Öl auf Leinwand, 86,5 x 100 cm; NoldeStiftung Seebüll

Noldes farbstarke Blumengärten, wild aufgewühlte Meereslandschaften, dramatische Wolkenformationen oder ausdrucksvolle Darstellungen von seiner berühmten Reise in die Südsee, kennen wohl die meisten Kunstfreunde. Doch das künstlerische Werk von Emil Nolde, der zu den weltweit bedeutendsten Malern des Expressionismus zählt, ist auch entscheidend durch sein subjektives Verhältnis zum Phantastischen und Grotesken beeinflusst und geprägt.

Bereits sein erstes Ölgemälde,„Bergriesen“ von 1895/96, und die äußerst erfolgreiche Serie der Bergpostkarten, in denen der norddeutsche Farbenmagier Schweizer Bergen verblüffende menschliche Physiognomien gibt, ließen ihn als bildenden Künstler noch vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert bekannt werden. Diese ausdrucksstarken Arbeiten zeugen von Noldes frühem und intensivem Interesse am Phantastischen.

Von diesen Anfängen, denen 1905 die Mappe „Grotesken“ mit Radierungen folgte, bis in die Jahre des Berufsverbots durch die Nationalsozialisten zieht sich die Abkehr von der Realität hin zu einer grotesken, skurrilen Gegenwelt wie ein roter Faden durch sein Werk, das von phantastischen Wunderwesen bevölkert wird. Der auch schriftstellerisch tätige Künstler selbst schreibt von “seltsamen freien Erfindungen, deren Bezeichnungen noch erfunden werden müssen“.

Diese unbekanntere Facette in Noldes umfangreichem Werk steht im Fokus der diesjährigen ‚Internationalen Tage Ingelheim‘ und der faszinierenden Schau im Landesmuseum Wiesbaden. Die Ausstellung, die in enger Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll konzipiert wurde, umfasst 20 Gemälde sowie ca. 90 Werke auf Papier, die zum Teil noch nie öffentlich in einer Ausstellung gezeigt wurden.

Nach der Präsentation im Museum Wiesbaden wird die sehenswerte Ausstellung vom 23. Juli bis zum 15. Oktober 2017 im „Buchheim Museum der Phantasie“ in Bernried am Starnberger See gezeigt. Der umfangreiche Begleitkatalog in Deutsch und Englisch, in dem alle ausgestellten Werke abgebildet sind, ist im Verlag Hatje Cantz erschienen.

„Emil Nolde. Die Grotesken“ bis zum 09. Juli im Museum Wiesbaden; weitere Informationen unter: www.internationale-tage.de

Bernd Heier

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