„Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ im Museum Giersch … Phänomenale Vielfalt abstrakter Malerei!

23 Mrz
2017

Fritz Winter: „Vor Weiß-Grün“, 1952, Öl auf Leinwand, 135 x 145 cm; Städel Museum, Frankfurt am Main, Dauerleihgabe der Fritz-Winter-Stiftung, Bayerische Staatsgemäldesammlungen; Foto: Städel Museum –ARTOTHEK; © Fritz-Winter-Stiftung

Frankfurt am Main – Die 1950er Jahre stellen eine Zeit des künstlerischen Aufbruchs dar. Die neue Sonderausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität widmet sich der abstrakten Kunst in der noch jungen Bundesrepublik.

In der sogenannten „Stunde Null“, die von dem Wunsch nach einer völligen Neuorientierung bestimmt war, galt die Abstraktion den Apologeten als freiheitlich. Allerdings war das keineswegs unumstritten. Die Ausstellung eröffnet deshalb mit dem „Darmstädter Gespräch“ von 1950 zur Positionsbestimmung der modernen Kunst und den kontinuierlichen, teilweise hitzigen Debatten über Figuration und Abstraktion, um die Rahmenbedingungen jener Zeit aufzuzeigen. Die Abstraktion stellte in der Diskussion einen Gegenpol zur gegenstandsfixierten Kunstdoktrin des Totalitarismus dar.

Mit 74 Arbeiten von 20 Künstlern und Künstlerinnen wirft die beeindruckende Schau in dem gediegenen Museum Giersch einen neuen Blick auf die Abstraktion jener Zeit, mit der der Anschluss an die westliche Avantgarde gelang. „Mit den ausgewählten Künstlerpositionen zeigt die Ausstellung ein vielfältiges Spektrum abstrakter Positionen auf: Ob organisch-vegetativ, geometrisch-streng, gestisch-impulsiv oder tastend-skriptural die Abstraktionen der 1950er Jahre waren formal wie farblich heterogen – von buntfarbig über tonig-gedämpft bis hin zu monochrom. Die vitalen Entgrenzungen betrafen Freiheiten von Form und Farbe und gelangten zu neuen Bild- und Gattungsvorstellungen“, erläuterte Dr. Birgit Sander, stellvertretende Museumsleiterin.

Heinz Kreutz: „Hymne an das Licht. Violettes Bild“, 1958, Öl auf Leinwand, 130 x 195 cm; Privatbesitz; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Im Fokus der von Dr. Birgit Sander und Professor Christian Spies vom „Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität“ kuratierten Präsentation stehen die wichtigsten Künstlergruppierungen mit ihren unterschiedlichen Entstehungsbedingungen, Orten und Akteuren: „junger westen“ in Recklinghausen, „ZEN 49“ in München und „Quadriga“ in Frankfurt am Main. Diese  Künstlergruppen, die für die Moderne charakteristisch sind, waren in jenen Nachkriegsjahren ein wichtiger Rückhalt der Künstler und ein Forum, um Öffentlichkeit herzustellen.

„Die Gegenüberstellung der drei Künstlergruppierungen vermittelt einen Eindruck von der phänomenalen Vielfalt abstrakter Handschriften in dieser Dekade“, so Museumsleiter Dr. Manfred Großkinsky. Werke der Maler Gerhard Hoehme, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann sowie des Bildhauers Ernst Hermanns zeigen den Aufbruch des „jungen westen“. Die Münchener Gruppe „ZEN 49“ ist mit Arbeiten von Rupprecht Geiger, K. R. H. Sonderborg, Fritz Winter und der Bildhauerin Brigitte Meier-Denninghoff vertreten. Den Malern K. O. Götz, Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze, die seit ihrer Ausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie Franck 1952 als „Quadriga“ bezeichnet wurden, gilt ein besonderer Ausstellungsschwerpunkt. Jeweils ein eigener Raum ist den Arbeiten dieser vier Künstler im zweiten Stock der neoklassizistischen Villa am Schaumainkai gewidmet.

Finanziell unterstützt wird die höchst beeindruckende Schau von der Stiftung Giersch und der Hessischen Kultur-Stiftung.

„Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ – bis zum 09. Juli 2017 im Museum Giersch der Goethe-Universität … am „Internationalen Museumstag“, Sonntag, 21. Mai, ist der Eintritt frei.  –  www.museum-giersch.de

hbh

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