„Königsteiner Forum“ widmet sich 2017 dem Thema „Umbrüche“ … Ende alter Gewissheiten?

4 Jan
2017

Königstein im Taunus – Die Idee zu einer Vortragsreihe, die nicht nur das kulturelle und geistige Leben Königsteins bereichern und Akzente setzen sollte, sondern auch auf regionale und überregionale Wirkung zielte, entstand vor über 30 Jahren!

Den Anfang in diesem Jahr macht Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Heinz Schilling, Humboldt-Universität Berlin, mit dem Thema „Reformation, Aufklärung und die Entstehung der modernen Welt – Der Geist der Neuzeit“ am Montag, 16. Januar 2017, 19:00 Uhr, Frankfurter Volksbank, Königstein im Taunus.

Die Gründung des „Königsteiner Forums“ ging maßgeblich auf das Engagement von Professor Dr. Dr. Eduard Kroker zurück, der gemeinsam mit Bruno Dechamps, dem damaligen Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „geistiger Vater“ des Forums war und es seit seiner Gründung bis zum Frühjahr 2003 leitete … und seit 2003 hat Professor Dr. Diether Döring – der Sozialpolitik und Finanzwissenschaft in Frankfurt am Main lehrt – den Vorsitz inne.

Unter seiner Leitung erarbeitet der Beirat des Forums in jedem Jahr in einem längeren Diskussionsprozess neue, zukunftsorientierte Schwerpunktthemen: Für 2017 wurde das Thema „Umbrüche“ gewählt! Umbrüche in der uns umgebenden Welt, an denen wir mitwirken und die auf uns zurückwirken. Umbrüche aber auch in unserer geistigen Verfassung, bis hin zu den religiösen Überzeugungen und Grundwerten. Drei gedankliche Segmente prägen die Vortragsreihe 2017.

„Wir wollen zunächst auf die Entstehung der modernen Welt und des Geistes der Neuzeit zurückschauen. Diese Entwicklung, die vor etwa 500 Jahren verstärkt einsetzte, ist eng verbunden mit der Reformation, dem Buchdruck, der Aufklärung und weiteren Faktoren. Mit dieser Reihe nehmen wir somit auch auf das Reformationsjubiläum 2017 Bezug, ohne dies alleine in den Mittelpunkt zu stellen. Hinzu den Realitäten der Gegenwart führt ein zweiter historischer Beitrag, der der Untersuchung der Umbrüche und Krisen im vergangenen 20. Jahrhundert gewidmet ist,“ betont Prof. Döring.

Das zweite Segment der Reihe soll wichtige Umbrüche in den Blick nehmen und dies mit einer Analyse der zu erwartenden Wirkungen verbinden. Dabei interessieren besonders solche Prozesse, die unsere Lebenswelt stark verändern werden. So der kontinuierliche wissenschaftlich-technische Fortschritt, der nicht zuletzt mittels der Digitalisierung unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt revolutionieren dürfte – sie verändert offenbar auch unsere persönlichen Verhaltensmuster und berührt stark die Rolle der Familie in der Erziehung.

Doch beinhaltet die Digitalisierung – wie alle großen Umbrüche – ebenso Chancen wie auch Risiken. Beides wollen wir betrachten. Eine besondere Brisanz gewinnt dieser Prozess jedoch daraus, dass seine Dynamik mit weiteren strukturellen Vorgängen zusammentrifft, die ausgesprochen bedeutsam sind. Zum einen haben wir seit Langem auf das sehr erfolgreiche Projekt der europäischen Einigung gesetzt, von dem wir wirtschaftlich stark profitiert haben und profitieren,“ so Prof. Döring:

„Es stößt inzwischen auf deutlich vermehrte Skepsis und wird begleitet von Tendenzen zur stärkeren nationalen Interessenwahrung. Unsere offenen Gesellschaften sind auf absehbare Zeit durch Terrorismus, neue Kriege und den Aufstieg autoritärer Regimes bedroht – und es gelingt trotz stärkerer internationaler Zusammenarbeit immer noch unzureichend, dem Klimawandel und der zunehmenden Ressourcenverknappung zu begegnen. Diese Entwicklung ist existenziell für die Welt und stellt eine Bedrohung auch unseres Wohlstandes dar.“

Zeiten starker Umbrüche verunsichern viele Bürger, schaffen Abstiegsängste und führen zu politische Reaktionen. Hier ist es wichtig, über Veränderungsprozesse aufzuklären, aber auch dazu beizutragen, eine Haltung zu diesen Prozessen zu entwickeln und Folgerungen zu ziehen. Hierzu gehört: Wie nehmen wir den Fortschritt in den Dienst der Menschen? Was sind grundlegende Werte unserer Gesellschaft, die es zu verteidigen gilt? Und: Was gibt dem Leben Sinn? Eine Frage, die uns wieder zurückführt zu unseren religiösen Überzeugungen.

Das Interesse des ‚Königsteiner Forums‘ gilt vor allem solchen Entwicklungen, die die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen werden. Insofern versteht sich das Königsteiner Forum auch als eine Institution der „Früherkennung“ für Risiken und Chancen in unserem Gemeinwesen. Das besondere Interesse der Veranstaltungsreihe gilt deshalb stets Fragen des inneren Zusammenhalts der Gesellschaft. Wesentliches Augenmerk gilt somit auch der Reflexion ethischer Fragen.

Seit 1996 hat das Forum in der Frankfurter Volksbank einen verlässlichen Partner gefunden, der es nicht nur als Hauptsponsor, sondern auch als Gastgeber der Vortragsveranstaltungen fördert. Die Organisation der Veranstaltungsreihe liegt in den Händen der Stadt Königstein im Taunus, die gleichzeitig Veranstalter ist.

www.koenigsteiner-forum.de

gw

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