Nach 100 Jahren ist sie wieder zurück … die „Falkensteiner Liege“ – später „Davoser Liegestuhl“ genannt

28 Nov
2014
Bild: Königsteiner Kur GmbH

Bild: Königsteiner Kur-GmbH

Königstein-Falkenstein im Taunus/Davos (Schweiz) – Zwei ‚Davoser Liegen‘ finden in Falkenstein ihre neue, alte Heimat!

Vor über 100 Jahren entwickelte der Lungenfacharzt Dr. Peter Dettweiler eine ‚Liege‘, auf dem seine Patienten möglichst lange und bequem verweilen konnten. Später kam die ‚Liege‘ in die Schweiz und wurde dort als „Davoser Liegestuhl“ bekannt. In einer Gemeinschaftsaktion ist es nun gelungen, die ersten zwei ‚Liegen‘ wieder nach Falkenstein zu holen.

Als Frankfurter Ärzte 1875 die Heilanstalt Falkenstein im Taunus eröffneten, konnten sie nicht ahnen, dass Dr. Peter Dettweiler die Klinik nur wenige Jahre später zu einem herausragenden internationalen Ruf bringen würde. Der Lungenfacharzt befasste sich mit der Behandlung von Tuberkulose und hatte eine Therapie entwickelt, die er konsequent anwandte. Sie beruhte auf einer reichhaltigen und fettreichen Ernährung … Anzahl der Mahlzeiten, Essensmenge und Uhrzeiten waren deshalb exakt vorgeschrieben und sorgten in der Falkensteiner Klinik für eine strenge Disziplin. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Behandlung war eine ausgedehnte Liegekur.

Bei Wind und Wetter und zu jeder Jahreszeit verbrachten die Gäste sechs bis zehn Stunden täglich auf den offenen Balkonen und Terrassen des Sanatoriums. Damit die Patienten bequem und vor allem lange draußen verweilen konnten, entwickelte Dettweiler eine ‚komfortable Liege‘. Selbst eisige Wintertage verbrachten die Gäste darauf, auch weil die aufgelegte Matratze sich optimal dem Körper anpasste und Fellsack, Wolldecke und Bettflaschen die Genesenden wärmten.

Die ‚Liege‘ war so perfekt, dass ihn Dr. Karl Turban, der bei Dettweiler in Falkenstein hospitierte, mit in die Schweiz nahm. Bald wurde die ‚Liege‘ bekannt – und viele Schweizer Sanatorien nutzen sie. So wurde aus der eigentlichen „Falkensteiner Liege“ der „Davoser Liegestuhl“.

Jetzt sind zwei ‚Liegen‘ wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. In einer wahren Gemeinschaftsaktion von Bürgern, Vereinen und der Stadt Königstein ist es gelungen, zwei Repliken zu erwerben. Und es sollen nicht die einzigen bleiben, zwei weitere ‚Liegen‘ sind in Auftrag gegeben und werden im nächsten Jahr erwartet. Dann sollen die ‚Davoser Liegen‘ auch ihren festen Platz im Park des ‚Falkenstein Grand Kempinski‘ finden.

„Der „Davoser Liegestuhl“ müsste eigentlich „Falkensteiner Liege“ heißen.“

Dieser Satz von Lokal-Historiker Hermann Groß ließ Almut Boller, Geschäftsführerin der Königsteiner Kur-GmbH, aufhorchen. Wenn es eine ‚Liege‘ gab, die in Falkenstein entstanden war, müsste sie doch wieder zurückkehren können. Das wäre doch für den Heilklimatischen Kurort Falkenstein besonders passend. Schnell im Internet nachgeschaut und siehe da: Heini Dalcher, ein engagierter Architekt aus Sissach, hatte 2011 die ‚Liege‘ in einer Korbflechterei in Vietnam neu auflegen lassen. Das ist ein Anruf wert! Einige Telefonate und E-Mails folgten – später stand fest: Ja, es könnten sogar zwei Liegen in Falkenstein aufgestellt werden.

„Das ist eine tolle Idee, ich übernehme die zwei Liegen“, sagte Thomas Giese – sehr mit seiner Heimatstadt Falkenstein verbunden – und ließ sich von dem Gedanken, gemeinsam für Falkenstein aktiv zu werden, anstecken. Ebenso groß war für Almut Boller die Überraschung in einer Vorstandssitzung des Heimatvereines Falkenstein, in der sie erzählte, dass bald ‚zwei besondere Liegen‘ angeliefert werden. Denn der Vorstand des Vereines entschied sich ganz spontan, noch zwei weitere Liegen zu stiften: „Zwei Liegen sind gut, vier Liegen sind noch viel besser.“

Wie aber sollen die Davoser Liegen nach Falkenstein kommen, wenn sie ziemlich umständlich einzupacken und die Transportkosten sehr hoch sind. Im Herbst dieses Jahres machte sich deshalb Jürgen Kluck von der Königsteiner Kulturgesellschaft e.V. auf den Weg in die Schweiz. Gut verpackt und verstaut brachte er die wertvolle Fracht zunächst in das Kurbad Königstein.

Ab Frühjahr 2015 werden die ‚Liegen‘ nun im Park des ‚Falkenstein Grand Kempinski‘ ihr ‚altes Zuhause‘ finden … sie benötigen natürlich auch Schutz und Pflege – dafür wird freundlicherweise das Fünf-Sterne-Superior-Hotel sorgen. Das passende Schild hat übrigens das Stadtmarketing der Stadt Königstein in Zusammenarbeit mit Hermann Groß erstellt.

„So ist aus einem kleinen Gedanken eine wahre Gemeinschaftsaktion geworden, die wiederum Menschen miteinander verbindet“, freut sich Bürgermeister Leonhard Helm über die beiden ‚Liegen‘, die nun in ihre ‚alte Heimat‘ zurückgekehrt sind!

Anmerkung:

Thomas Mann hat die ‚Liege‘ in seinem Roman „Der Zauberberg“ als vorzüglich und bequem beschrieben und der Dichter Klabund hat sie mit Versen bedacht.

gw

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